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Burn-out: Nur erschöpft oder schon ausgebrannt?

Burn-out – das Thema ist und bleibt aktuell. Ob sich Burn-out in unüberwindbarer Erschöpfung äußert oder in Zynismus, ob der/die Betroffene sichtbar erschöpft ist oder nach außen das Bild des/der Leistungsträger/-in aufrecht erhält – der psychische Leidensdruck der Betroffenen ist enorm.

Signale auf verschiedenen Ebenen

Die Grenze zwischen handhabbarer Stressbelastung und dem Weg in den Burn-out ist fließend – im klinischen Sinne existiert die Diagnose „Burn-out“ als solche gar nicht, sondern es handelt sich um eine Sammlung unspezifischer Syndrome, durch die sich eine Überlastung zeigt. Es gibt auf verschiedenen Ebenen Warnsignale dafür, dass sich ein Burn-out entwickelt:

  • Körperliche Warnsignale, z.B. häufige Erkältungskrankheiten, Verspannung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen…
  • Emotionale Warnsignale, z.B. Unzufriedenheit mit der eigenen Leistungsfähigkeit, Versagensängste, Reizbarkeit, ein Gefühl der inneren Leere…
  • Kognitive Warnsignale, z.B. anhaltende Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Tagträume, Pessimismus…
  • Soziale Warnsignale, z.B. vermehrter Suchtmittelkonsum (Alkohol oder Tabletten), Abneigung gegen KollegInnen und PartnerIn, sozialer Rückzug…

Burn-out-Prävention: In den Unternehmen angekommen

Dass die psychische, neben der physischen, Gesundheit am Arbeitsplatz ein wichtiges Thema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements ist, ist spätestens seit 2013 auch in der Praxis der Unternehmenswelt angelangt: Da wurde die verpflichtende psychische Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutzgesetz verankert. Selbst wenn außer Acht gelassen würde, dass Unternehmen in der aktuellen Arbeitsmarktsituation schon lange ihre Attraktivität durch arbeitnehmerfreundliche, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen beweisen müssen, sprechen die Zahlen klar für eine Strategie der Burn-out-Prävention. Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen, zu denen auch Burn-out zählt, nehmen seit Jahren kontinuierlich zu und machen einen hohen Prozentsatz aller jährlichen Fehltage aus – auch, weil es sich meist um langwierige Krankheiten mit langen Rekonvaleszenzzeiten handelt. Bei Berufsunfähigkeit verursacht in Deutschland sogar die Psyche die meisten Fälle, noch vor Rückenproblemen: fast 40% aller Fälle beruhen auf psychischen Erkrankungen.

Sammlung von Informationen und Tools

Die Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hat in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) ein interessantes Portal geschaffen, das viel Wissenswertes und nützliche Tools zur Burn-out-Prävention versammelt. Fach- und Führungskräfte, Betriebsräte und MitarbeiterInnen gleichermaßen können sich durch Praxisblätter und Fachartikel informieren, wie sie sich vor zu viel Stress schützen und Belastungen entgegenwirken können. Es finden sich ebenfalls Erfahrungsberichte von Firmen, die auch bereits erkannt haben, dass externe Maßnahmen zur Förderung psychischer Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen – wie z.B. Coachings oder Stress- und Resilienztrainings – ein wichtiger Baustein für ihr Gesundheitsmanagement sind.

PsyGA stellt auf der Webseite Schnelltests unter http://psyga.info/ihre-schritte/problem-erkennen/ frei zur Verfügung, die die Stessbelastung bei Führungskräften, Mitarbeitern und Organisationen messen; außerdem weiterführende Handlungshilfen und Webportale. Interessant ist im Zusammenhang mit digitaler Unterstützung der Burn-out-Prävention vor allem das eLearning-Tool, das online durchgeführt werden kann und bei dem Beschäftigte ihre persönlichen Stressoren und Ressourcen im Arbeitsleben identifizieren können. Stressoren sind beispielsweise eine Über- oder Unterforderung, eine ständige Erreichbarkeit auch zu Hause, Zeitdruck sowie ein schlechter Umgang mit den Kollegen; Ressourcen dagegen stellen z.B. die Vielfältigkeit der Aufgabe, den Handlungsspielraum, eine klare Zuständigkeit, gute Arbeitsmittel, die Möglichkeit zur Fortbildung sowie ein netter KollegInnenkreis dar.

Mehr zum Thema

Für sich allein genommen stellt dieses vom Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin der RWTH Aachen University entwickelte online-Tool natürlich noch keine ausreichende Prävention für Burn-out oder andere psychische Erkrankungen dar; es kann aber sicherlich einen Anstoß geben, sich intensiver mit dem Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ auseinanderzusetzen.

Informationen zu den verschiedenen Phasen von Burn-out gibt es in dem 12stufigen Phasenmodell der Kliniken Heiligenfeld. Im Anfangsstadium beginnt der Burn-out mit dem Zwang sich zu beweisen und erreicht bei seiner ausgeprägtesten Form die völlige Erschöpfung, bei der es dem/der Betroffenen nicht mehr möglich ist, ein normales Leben zu führen.

Ein wichtiger Baustein zur Burn-out-Prävention ist die Arbeit an der eigenen Verantwortung, die wir gegenüber unserer Gesundheit tragen. Das kann schon im ganz kleinen anfangen, etwa durch bewusste Entspannungspausen im Alltag.

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