Motto-Ziele führen auf den Weg © stockpcs / fotolia

Coaching-Tipp: Motto-Ziele setzen

Eigentlich wissen die meisten Führungskräfte ja ganz genau, welches Ziel sie verfolgen – zum Beispiel soll die Kommunikation mit ihrem Team besser laufen. Warum ist dann die Umsetzung dieser Ziele so schwierig? Eine gute Methode, um Ihr Ziel in Ihrem Alltag zu verankern, sind Motto-Ziele – stattdessen werden die meisten Ziele immer noch S.M.A.R.T. definiert. Wie können Sie also Ihr Ziel zum Motto-Ziel machen?

Bei der S.M.A.R.T.-Methode werden Ziele so formuliert, dass sie Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminierbar sind. Dabei wird oft außer Acht gelassen, für welche Aufgaben diese Zielsetzungsmethode ursprünglich entwickelt wurde: nämlich für klar strukturierte, einfach definierte Aufgaben wie zum Beispiel das Ziel: „Ich rufe jede Stunde 15 Kundenkontakte an.“. Das ist auch die Art von Zielen, für die die Methode S.M.A.R.T am allerbesten funktioniert. Bei komplexeren Aufgaben hingegen, die sich noch während des Prozesses verändern können oder bei denen ungewiss ist, welche Umweltvariablen mit in die Erreichung hineinspielen, ist die S.M.A.R.T-Methode oft gar nicht so hilfreich.

Motto-Ziele versprechen mehr

Wir stehen hier vor einem Widerspruch: Gerade an Führungskräfte stellt das moderne Arbeitsumfeld zunehmend komplexe Aufgaben, deren Entwicklung ungewiss ist (siehe auch VUCA-Welt). Dennoch ist die S.M.A.R.T.-Methode, mit der wir diese Aufgaben oftmals zu lösen versuchen, optimal auf einfache, klar strukturierte Aufgaben abgestimmt. Deswegen beschäftigt sich z.B. Maja Storch intensiv mit einem neuen Zieltypus, den sie Motto-Ziel nennt.

Motto-Ziele entstehen nicht nur auf der bewussten Ebene, auf der analytische, wohldurchdachte Entscheidungen und Meinungen entstehen. Neben dieser rationalen sogenannten „Intentions“-Ebene wird für Motto-Ziele noch eine weitere Ebene einbezogen, die wesentlich schneller und diffuser reagiert: Die „Extensions“-Ebene, die vor allem von unbewussten Gefühlen und Erfahrungen bestimmt wird. Sie ist dafür verantwortlich, ob wir unsere rational gefassten Ziele auch verwirklichen werden: sie bestimmt durch assoziierte Erinnerungen und Gefühle die Attraktivität unseres Zieles und damit letztendlich die Motivation, mit der wir uns der Zielerreichung widmen. Ein Beispiel: Der Aussage „Eine gute Kommunikation zwischen Team und Führungskraft ist wichtig.“ werden zweifellos die meisten Führungskräfte zustimmen. Wenn aber die „Extensions-“ Ebene signalisiert, dass wir im tiefsten Inneren vom Team ein negatives Feedback fürchten oder gar keine Lust auf „Befindlichkeitsgespräche“ haben – dann wird es wahrscheinlich sehr anstrengend, dieses Ziel zu erreichen. Wenn dagegen beide Zielebenen – die bewusste und die unbewusste – zusammenpassen, kann ein Ziel zuverlässig erreicht werden.

Beide Ebenen einbeziehen

Wir sind gewohnt, normalerweise an unseren kognitiven Vorstellungen zu arbeiten. In diesem Fall führt es aber nicht weiter, ein anderes Ziel zu wählen – besser ist es, neben der kognitiven auch die affektive Ebene mit einzubeziehen und ein kohärentes Ziel zu entwickeln. Um Ihr Ziel sowohl auf der Intentions- wie auf der Extensionsebene zu verankern, gehen Sie folgendermaßen vor:

1. Werden Sie sich klar darüber, was Ihr Ziel für Sie tatsächlich bedeutet. Ist „gute Teamkommunikation“ vor allem Ihre Fähigkeit, Aufgaben klar zu kommunizieren so dass diese umgesetzt werden? Oder ist es das Aufrechterhalten eines Kommunikationsflusses, um immer frühzeitig über mögliche Probleme beim Projekt auf dem Laufenden zu sein…?

2. Führen Sie eine Affektbilanz für dieses neu formulierte Ziel durch. Das bedeutet, dass Sie zu erspüren versuchen, wie stark Ihr Ziel für Sie mit positiven, aber auch mit negativen Gefühlen verbunden ist. Versuchen Sie, sich dabei nicht ein Positiv-Negativ-Kontinuum vorzustellen, sondern an zwei getrennte Skalen von 0 bis 100. Positive und negative Affekte können nämlich gut nebeneinander existieren!

3. Legen Sie dann jeweils einen Zielwert für Ihren positiven, aber auch Ihren negativen Affekt fest, der mit Ihrem Ziel verbunden sein soll. Können Sie mit einem mittleren positiven Affekt bei Ihrer Zielvorstellung leben? Oder muss der schon ganz hoch sein, damit Sie am Ball bleiben?

4. Generieren Sie ein inneres Bild, das zu Ihrer Zielvorstellung passt. Suchen Sie sich dafür drei Elemente aus der folgenden Liste aus, deren Eigenschaften Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten:
– Welches TIER hat Eigenschaften, die Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten?
– Welche PFLANZE hat Eigenschaften, die Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten?
– Welche/r PROMINENTE hat Eigenschaften, die Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten?
– Welche FANTASIEFIGUR hat Eigenschaften, die Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten?
– Welches FAHRZEUG hat Eigenschaften, die Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten?
– Welche LANDSCHAFT hat Eigenschaften, die Ihnen bei der Zielerreichung helfen könnten?
– Welches Element fällt Ihnen sonst ein, das Eigenschaft hat, die bei der Zielerreichung helfen könnten? Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!

5. Machen Sie sich ein deutliches Bild davon, wie das jeweilige Element die Eigenschaften, die Sie für die Zielerreichung wichtig finden, repräsentiert. Durch die bildliche Vorstellung sprechen Sie nämlich Ihre unbewusste Ebene an, die im Gegensatz zur bewussten Ebene mit verbalen Beschreibungen nicht erreichbar ist. Notieren Sie sich dann die Ideen, die Ihnen zu Ihren ausgewählten Elementen in den Sinn kommen, z.B.: „Der Affe schwingt sich von Baum zu Baum und ist dadurch ein Verbindungsglied zwischen den Tieren, die dort leben“, oder „Eine Eisenbahn verbindet einzelne Waggons, die aber immer noch durch Türen getrennt bleiben“.

6. Kreieren Sie jetzt aus den Sätzen, die vor Ihnen liegen, Ihr Motto-Ziel. Dafür bilden Sie am besten einen Satz, der für Sie beschreibt, wie Ihr Ziel aussieht. Den Satz müssen nur Sie selbst verstehen – für Sie muss er sich aber auch vollkommen wahr anfühlen! Wie fühlt sich beim Beispiel der Teamkommunikation z.B. an: „Ich schwinge mich von Waggon zu Waggon und halte dabei das Lenkrad in der Hand“. Prüfen Sie in diesem Schritt ihren Satz mit der Affektbilanz so lange, bis er Ihren zuvor festgelegten Affektgrad – positiv und negativ – erreicht hat.

Ein Schritt weiter auf dem Weg zum Ziel

Wenn Sie Ihr Motto-Ziel erstellt haben, haben Sie einen ganz eindeutigen Wegweiser, an dem Sie sich in allen zielrelevanten Situationen ausrichten können. Sie haben Ihre Intentions- und Extensionsebene zusammengeführt, und Ihr Ziel wird sich für Sie jetzt viel kohärenter anfühlen. Und wenn die Motivation erst stimmt, wird es viel leichter, Ihre Ziele Schritt für Schritt zu erreichen.

Die Anregungen zur Gestaltung des Motto-Ziels beruhen auf dem Buch „Die Kraft aus dem Selbst“ (Storch, M. & Kohl, J. (2013). Die Kraft aus dem Selbst. Bern: Verlag Hans Huber), in dem Sie neben Motto-Zielen noch andere PsychoGyms finden, um die Kraft Ihres Unbewussten zu nutzen.

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