M. Seligman © Jutta Heller

Kongress Positive Psychologie

Großes Aufgebot in Hamburg:
Willibald Ruch | Martin Seligman | Barbara Fredrickson | Hajo Funke | Olaf-Axel Burow + Fritz Schubert | Gerald Hüther | Tobias Esch | Gunther Schmidt | Daniela Blickhan | Philip Streit. Es waren zwei spannende Tage mit vielen Erkenntnissen.

Hier finden Sie ein paar kurze Zusammenfassungen.

Charakterstärken – ein zentrales Konzept der Positiven Psychologie

Prof. Willibald Ruch von der Uni Zürich sprach zu „Stärken stärken stärkt“. Seine Schlussfolgerung – die er mit etlichen Studien belegte war, dass der Einsatz persönlicher Stärken gerade auch am Arbeitsplatz zu mehr positivem Erleben führt. Auch die Selbstwirksamkeit und die Lebenszufriedenheit können durch den Einsatz von Stärken erhöht werden. Kritisch zu prüfen sei daher der Ansatz vieler psychologischer Konzepte, die auf den Big 5 der Persönlichkeit beruhen und die „traits“ in den Vordergrund stellen. Wir entwickeln uns, wir verändern uns, folglich verhalten wir uns auch anders. Und wenn dann die Stärken und ein an der positiven Psychologie orientiertes „state“-Management zusammenkommen, dann geht richtig viel.

Positive Psychologie in der Schule

Prof. Olaf-Axel Burow von der Uni Kassel und Fritz Schubert sprachen zu „Glück und Schule“ – zwei Dinge, die für viele Menschen in ihrer Erinnerung nicht ganz zusammen passen. Schule kann aber auch anders sein und tatsächlich der Potentialentfaltung und Gesundheitsförderung dienen – so die Erfahrung im Schulfach „Glück“. Wichtig ist dafür, dass Menschen anderen etwas zutrauen (→ Wertschätzung) und dass wir immer wieder unsere individuellen Bedürfnisse klären und uns regulieren (→ Selbstbestimmung). Reflektieren sei zudem die schönste Fähigkeit des Menschen.

Reflexionsübung im Sinne der Positiven Psychologie

Fritz Schubert empfahl eine kleine Reflexionsübung, deren Ergebnis Sie zur aktuellen Standortprüfung nutzen können.

Erinnern Sie sich einfach mal im Schnelldurchlauf an Situationen, Ereignisse in Ihrem Leben. Gehen Sie gedanklich durch die letzten Monaten, Jahre zurück bis in Ihre Jugendzeit und Kindheit. Wo und wie haben Sie gelebt, welche Freunde hatten Sie, was haben Sie gearbeitet und gelernt, was war/ist Ihnen wichtig in Ihrem Leben? (Brainstorming 3-5 Minuten)

Notieren Sie sich anschließend als Resümee Ihre Essenz anhand dieser Fragen:

  • Was brauche ich? (Bedürfnisse)
  • Wer bin ich? (Konsistenz/Selbstwert)
  • Was kann ich? (Kompetenz)
  • Was will ich? (Kohärenz)

Neurowissenschaft und Positive Psychologie

Barbara Frederickson hatte die „Broaden + Build“-Theorie entwickelt. Kern der Theorie sind die positiven Emotionen, die letztlich auch verkörperte Erfahrungen sind und einfluss auf die Gesundheit haben. Ihre neuesten Studien zur Aufwärtspirale der Lebensstilveränderung basieren auf der Erforschung von Opioiden (Mögen als Motiv für die Ausschüttung) und Dopamin (Wollen als Motiv für die Ausschüttung), die im Körper in verschiedene Schaltkreisen organisiert sind. Nach ihrer Aussagen sollte Wollen und Mögen – also Willenskraft und freudvoll motiviert sein – für die Erreichung von Zielen zusammen kommen.

Ihre Empfehlung lautet: „Suchen Sie Situationen, die positive Gefühle machen. Wichtig sind die kleinen positiven Dinge, wichtig sind häufige positive Erfahrungen. So entstehen unbewusste und zunehmende Motive für ein gesundheitsförderliches Wellness-Verhalten.“

Gerald Hüther verglich die genetischen Programme mit den Instrumenten eines Orchesters. Nicht festgelegt sei dabei, welches Stück gespielt wird und da sei meist viel mehr möglich. Ihm geht es um die Potenzialentfaltung, die am besten gelingt bei Subjekt-Subjekt-Begegnungen und einem sich gegenseitig Mögen. In solch einem positiven Kontext können Menschen inspiriert und begeistert sein und sie haben den Mut zu glauben, dass etwas möglich ist – so die Aussage von Hüther. Solche Begegnungskulturen in Unternehmen würden sicherlich die Produktivität, Kreativität sowie die Gesundheit der Mitarbeiter und Führungskräfte stärken.

Flourishing und Positive Psychologie

Nach Daniela Blickhan (1. Vorsitzende des DACH-Verbands für Positive Psychologie) müssen die psychischen Grundbedürfnisse erfüllt sein, damit wir wachsen können. Es geht um folgende 3 Bereiche:

  • Kompetenz: sich wirksam erleben, die eigenen Stärken erfolgreich einsetzen können
  • Autonomie: selbst bestimmt entscheiden, in Einklang mit eigenen Werten handeln, Werte anderer respektieren
  • Beziehung: sich mit anderen verbunden fühlen, Nähe und Vertrauen in sozialen Beziehungen erleben und gestalten

Schön wäre es, aus der Fülle zu leben. Daher fragt Blickhan nach den Füllständen im Leben.

Wie schaut das bei Ihnen aus? Welchen Füllstand erleben Sie in Bezug auf Kompetenz, Autonomie und Beziehungen? Welches Glas stellen Sie sich dabei vor? Wenn es ein Rotweinglas wäre – wo ist dann Ihr Eichstrich? Und wie sorgen Sie für das Nachfüllen? Entscheidend ist auch für welchen Kontext Sie sich diese Fragen beantworten. Und hilfreich wäre, wenn Sie nach solch einer Analyse Ihr persönliches Ergebnis mit Handlungsplänen verknüpfen. So können Sie meist mit ganz einfachen Maßnahmen etwas für Ihr Wohlbefinden tun.

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