Neue Resilienzforschung bringt viele interessante Ergebnisse © Jenny Sturm / fotolia

Neue Resilienzforschung und Resilienztraining

Seit 2014 gibt es an der Universität Mainz ein interdisziplinäres Zentrum für Resilienzforschung. MedizinerInnen und Psychologinnen wollen herausfinden, wie unser Gehirn auf Belastungssituationen reagiert. Als entscheidend für die Resilienz eines Menschen wird ein positiver Bewertungsstil angesehen.

Wenn wir eine Situation als Belastung bewerten oder ob wir eine Situation als Herausforderung wahrnehmen, wird einen Unterschied für uns machen. Prüfen Sie mal Ihre Körperreaktion, wenn Sie sich die beiden Begriffe bewusst machen. Bei dem Wort „Belastung“ empfinden viele Menschen einen Druck von oben in Kombination mit Kopf einziehen. Beim Wort „Herausforderung“ wird oft eine leichte Bewegung aus dem Oberkörper heraus nach vorne beschrieben. Je nach dem wie wir etwas bewerten, dementsprechend wird auch unser Gehirn anders arbeiten und reagieren.

Mediziner können inzwischen in einem MRT genau feststellen, welche Gehirnregionen bei solchen Bewertungsprozessen aktiv sind. Die Forscher des Mainzer Resilienzzentrums wollen vor allem die schützenden Mechanismen unseres Gehirns genauer untersuchen.

Durch Resilienzforschung belegte Resilienzschlüssel trainieren

Die protektive Wirkung von Optimismus und positiven Emotionen bei Belastungen und Krisen sind durch empirische Studien belegt worden. Auch die Selbstwirksamkeitserwartung und die Bedeutung der Netzwerkorientierung wurden als schützende Faktoren bestätigt. (Helmreich in managerSeminare 11/2015) Solche Resilienzschlüssel lassen sich trainieren. Dazu gibt es u.a. hilfreiche Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie, der Hypnotherapie und auch der Neurolinguistischen sowie Positiven Psychologie. Z.B. können negative, einschränkende Glaubenssätze bewusst gemacht und verändert werden. Letztlich geht es darum, dass neue Möglichkeiten gedacht werden, was zu neuen Verknüpfungen im Gehirn führt. Statt alten Denk-Autobahnen sollen dabei neue Trampelpfade angelegt und genutzt werden.

Motive für Resilienztrainings in Unternehmen

Unternehmen, die mit ihren MitarbeiterInnen Resilienztrainings durchführen, tun dies je nach Unternehmenskultur aus verschiedenen Motivationen heraus. Quinn (nach Vollmer & Kohlert ) führt vier unterschiedliche Unternehmenskulturen an, bei denen jeweils verschiedene Werte im Vordergrund stehen: In der Clan-Kultur ist dies die Loyalität und Teamorientiertheit, in der Marktkultur der Leistungswille, in der Pyramidenkultur der reibungslose Betriebsablauf und in der Ad-hoc-Kultur die Kreativität.

Dementsprechend sind auch jeweils unterschiedliche Argumente ausschlaggebend für das Angebot eines Resilienztrainings: Unternehmen mit einer Clan-Kultur werden Resilienztrainings als einen Aspekt der Fürsorge für den Mitarbeiter verstehen – sie wollen ihre Mitarbeiter vor Überlastung schützen und ihnen oftmals auch die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung bieten. (Abgesehen von der Unternehmenskultur gilt gleiches oftmals, wenn Resilienztrainings im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements angeboten werden.) Unternehmen mit einer eher marktorientierten Kultur wenden Resilienztrainings eher als Instrument der Personalentwicklung an, um Leistungssteigerung auch in Krisenzeiten zu erreichen – die Mitarbeiter sollen in erster Linie funktionieren. Eine Pyramiden-Kultur schätzt Resilienztrainings dafür, dass sie die Zahl der MitarbeiterInnen mit psychischen Problemen oder der Krankenstand durch Burn-Out-Problematiken verringern bzw. deren Anstieg vermeiden. Ziel ist dabei die Sicherstellung einer kontinuierlichen Verfügbarkeit der MitarbeiterInnen. In der Ad-hoc-Kultur letztlich wird ein Resilienztraining als Anstoß für die Mitarbeiter verstanden, sich mit neuen Facetten ihrer Persönlichkeit zu beschäftigen, neue Fähigkeiten und insbesondere Agilität zu entwickeln.

Resilienzforschung zur Wirksamkeit von Trainingsmaßnahmen

Die meisten TeilnehmerInnen von Resilienztrainings erwarteten eine generelle Stärkung persönlicher Fähigkeiten wie Gelassenheit, Abgrenzung oder Selbstschutzerhöhung. (Analyse durchgeführter Trainings in 2014 und 2015 von Prof. Heller). Die von den TeilnehmerInnen genannten Anwendungsbereiche ihrer neuen Resilienzfähigkeiten verorteten sie Großteils im beruflichen Umfeld und nur zum Teil auch im Privaten – wobei dies wahrscheinlich auch darauf zurückzuführen ist, dass es sich um von Unternehmen organisierte und im Firmenumfeld durchgeführte Trainings handelte.

Die generelle Wirkung von Resilienztrainings wurde in einer aktuellen Metastudie nachgewiesen (Robertson et al., 2015), unklar bleibt jedoch noch, ob einzelne Schlüssel dabei eine herausragende Rolle spielen oder ob die Schlüssel alle gleichwertig zur Erhöhung von Resilienz beitragen.

Nachhaltige Veränderungen sind jedoch nur zu erwarten, wenn das Gelernte im Berufsalltag auch Anwendung findet. Ein solcher Prozess einer stabilen Veränderung ist erst nach einem Zeitraum von mehreren Monaten, bei regelmäßiger Anwendung und Übung, zu erwarten.

Transferbegleitung für nachhaltig wirksame Resilienztrainings

Um diesen Transferprozess zu unterstützen, wird von Prof. Heller nach der Durchführung eines Resilienztrainings eine Transferbegleitung durch regelmäßigen E-Mailkontakt in sechswöchigen Abständen durchgeführt. In den E-Mails erhalten die TeilnehmerInnen Anstöße, sich mit den wichtigsten Trainingsthemen erneut auseinander zu setzen: die Transferbegleitung enthält die Empfehlung zu einem erneuten persönlichen Resilienz-Check (Selbsteinschätzung für die eigene Belastungssituation sowie für die 7 Resilienzschlüssel auf einer 10er Skala), sowie zur Überprüfung der bisherigen Zielerreichung und Aktualisierung der individuellen Zielsetzungen. Im Anschluss an diese sechsmonatige Transferphase findet idealerweise ein kurzer Follow-Up-Termin statt, an dem sich die TeilnehmerInnen des ursprünglichen Trainings unter Anleitung über ihre Erfahrungen bei der Anwendung der erlernten Strategien und über ihre Resilienzentwicklung und ihre generelle Zielerreichung austauschen können. Meist stellen die TeilnehmerInnen dabei Verhaltensänderungen fest, die sie im Berufsalltag gezeigt und angewendet haben.

Resilienzforschung mit Pre-Post-Vergleichen

Interessant wäre in diesem Zusammenhang ein unmittelbarer Pre-Post-Vergleich der Selbsteinschätzungen des Resilienzwertes der TeilnehmerInnen, der vor und während des Trainings sowie während der Transferbegleitung von den TeilnehmerInnen durchgeführt wurde. Diese Selbsteinschätzung post-training wurde jedoch, der hochpersönlichen Thematik geschuldet, in den hier analysierten Trainings von den TeilnehmerInnen in privater Form vorgenommen und konnte daher nicht ausgewertet werden. Zusätzlich muss beachtet werden, dass Resilienzstärke und damit punktuelle Selbsteinschätzungen der Resilienz stark von aktuellen, äußeren Umfeldfaktoren abhängig sind. Eine stabile Veränderung der Resilienzstärke dagegen lässt sich erst dann feststellen, wenn die Erholung nach einer Krise zunehmend schneller geschieht oder Burn-out-Risiken eindeutig abnehmen.

Resilienzforschung kann noch viele Lücken schließen, so dass wir zukünftig die Erkenntnis hoffentlich noch viel besser für präventive Maßnahmen nutzen können.

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