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Beziehungen stärken

Führen heißt nicht nur delegieren und entscheiden. Führen heißt vor allem wertschätzende Beziehungen aufbauen und stärken. Das gilt für die Beziehung zu Mitarbeitern gleichermaßen wie zu Kollegen, die ebenfalls Führungsverantwortung haben.

Wenn das gelingt, wirkt sich das positiv auf die Motivation und die Leistung aus, und kräftigt zudem die Zusammenarbeit und das Miteinander. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter sowie Kollegen positiv verstärken. Wie? Ganz einfach. Mit Lob und Dank für Ihren Einsatz. Das fördert Selbstwirksamkeit und Netzwerkorientierung, zwei wichtige Schlüssel der Resilienz.

Beziehungen stärken durch affirmative Kommunikation

In der Realität kommt es natürlich auch immer wieder zu Situationen, in denen Mitarbeiter oder Kollegen die Erwartungen der Führungskraft nicht erfüllen. Sei es durch Missverständnisse, geringe Motivation oder gar Überforderung – auf Leistungseinbußen müssen Führungskräfte hinweisen. Gerade bei der Äußerung von Kritik muss deshalb darauf geachtet werden, dass die Rückmeldung die Beziehung nicht beschädigt. Empathie und Feingefühl sind entscheidende Eigenschaften, die hier gefragt sind. Der Begründer der positiven Psychologie Martin Seligman (Flourish, 2011, S. 247) schlägt dafür den sogenannten affirmativen – bejahenden bzw. zustimmenden – Kommunikationsstil vor.

Dieser berücksichtigt 5 Schritte bei der Rückmeldung von Kritik:

  1. Die Situation erkennen und daran arbeiten, sie zu verstehen.
  2. Die Situation objektiv und zutreffend beschreiben.
  3. Bedenken zum Ausdruck bringen.
  4. Die Person nach ihrer Sichtweise fragen und auf eine akzeptable Veränderung hinarbeiten.
  5. Die Vorteile aufzählen, die sich ergeben, wenn eine Veränderung herbeigeführt wird.

Folgende Beispiele erläutert das Vorgehen einer kritischen Rückmeldung gegenüber einem Mitarbeiter und einem Kollegen mit dem affirmativen Kommunikationsstil:

Ihnen ist aufgefallen, dass einer Ihrer Mitarbeiter in letzter Zeit Deadlines bei der Reporterstellung nicht einhält. Darüber hinaus sind die Reports fehlerhaft. Trotz mehrmaliger Bitte, sorgfältiger und termingerecht zu arbeiten, kommt es zu keiner Verhaltensänderung. Nun wollen Sie ein klärendes Gespräch führen.

Kritische Situationen und Bedenken ansprechen aus: Heller, J. " Resilienz. Innere Stärke für Führungskräfte"

In Ihrer Arbeit haben sich die Aufgaben seit einem halben Jahr stark verdichtet. Ihnen ist aufgefallen, dass einer Ihrer Kollegen in der Nachbar-Abteilung in den Mittagspausen weiterarbeitet und bis spätabends im Büro bleibt. Seit Kurzem haben Sie auch bemerkt, dass er vereinbarte Zahlen nicht oder nur nach mehrfachem Nachfragen liefert. Diese Zahlen werden in Ihrer Abteilung gebraucht, sonst können entsprechende Berichte nicht erstellt werden. Sie entscheiden sich, ein vertrauliches Gespräch zu führen.

Kritische Situationen und Bedenken ansprechen aus: Heller, J. " Resilienz. Innere Stärke für Führungskräfte"

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass die Führungskraft durch den affirmativen Kommunikationsstil auf den Mitarbeiter bzw. den Kollegen empathisch eingeht und ihm die Möglichkeit gibt, seine Sicht der Dinge zu schildern. Dadurch wird die Wertschätzung gegenüber der anderen Person deutlich. Durch die wertfreie objektive Beschreibung der Situation wird die Rückmeldung nicht zum Vorwurf. Durch die Ich-Botschaften übernimmt die Führungskraft die Eigenverantwortung für ihre Gefühle und Gedanken. Neben dem affirmativen Kommunikationsstil schlägt Martin Seligman für den Aufbau starker Beziehungen auch den aktiv-konstruktiven Reaktionsstil bei. Dazu lesen Sie mehr im Beitrag „Positive Psychologie“.