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Forschung zu Resilienz

Anfänge der Forschung über Resilienz

Die bekannteste Studie der Forschung über Resilienz ist die sogenannte Kauai-Studie von Emmy Werner, in der sie von den 50er Jahren an in einer Langzeitstudie Resilienz bei Kindern untersuchte. Sie entdeckte verschiedene Faktoren, die nachweislich die Resilienz bei Kindern beeinflussen.

Resilienz und positive Psychologie

Resilienz wird viel im Rahmen der Positiven Psychologie beforscht. Die Positive Psychologie fragt sich: „Wie kann das psychische Wohlbefinden eines Menschen erhöht werden?“, im Gegensatz zur ansonsten vorherrschenden Frage: „Wie kann das psychische Leiden eines Menschen vermindert werden?“. Vorreiter und Begründer der positiven Psychologie ist US-amerikanische Psychologe Martin Seligman. Seine Kollegin Karen Reivich und er entwickelten das „Penn Resilience Program“, ein Konzept, das wissenschaftlich nachweisbar die Resilienz von Kindern und Erwachsenen erhöht und negative Folgen von traumatischen Erlebnissen verringert.

Umwelt und Genetik

Heute fast unvorstellbar, aber vor nicht allzu langer Zeit war man sich nicht einig darüber, ob Kindern ein liebevolles Umfeld überhaupt gut tut, um gesund heranzuwachsen. Ein bekanntes und besonders drastisches Experiment führte König Friedrich II (wenn auch mit anderem Forschungsgegenstand) durch, in dem er mehrere Kinder von Ammen aufziehen ließ, denen er verbot, mit den Kindern zu sprechen oder mehr als hygienisch notwendigen Kontakt zu halten. Die Kinder starben alle – ein erstes Indiz dafür, dass Zuwendung absolut notwendig ist, damit Kinder den Widrigkeiten des Heranwachsens trotzen können.

Seitdem gibt es zahlreiche experimentelle Untersuchungen dazu, welche Resilienzfaktoren Kinder – und damit später auch erwachsene Menschen – gesund und stark erhalten. Beispielsweise führte der Psychologe H. Harlow Tierexperimente mit Affenbabys durch, denen er die mütterliche Zuwendung entweder entzog oder gewährte; zwischen den beiden Affengruppen zeigten sich deutliche Unterschiede in der psychischen Gesundheit.

Eine Umwelt, die gute Bedingungen bietet, ist vorteilhaft für die Resilienzentwicklung; es existieren aber auch Forschungen zu internen Faktoren, die Resilienz begünstigen. So scheint unter anderem das Hormon Cortisol eine große Rolle dabei zu spielen, wie stressresistent und psychisch widerstandsfähig wir und entwickeln: es wurde bei Ratten nachgewiesen, dass ein permanent erhöhter Cortisolspiegel ein wesentlich größeres Stressempfinden nach sich zieht als es eine Vergleichsgruppe mit „normalem“ Cortisolspiegel hat. Sogar Gene wurden identifiziert, die Einfluss darauf haben, ob wir uns von negativen Ereignissen stark beeinflussen lassen oder nicht: Das Gen 5-HTT beeinflusst den Transport von Serotonin, einem Botenstoff in unserem Gehirn, der unsere Gefühlslage mitbestimmt. Menschen mit einer bestimmten Variante dieses Gens haben – salopp gesagt – mehr Glücksbotenstoff im Gehirn als andere, wie zuletzt Humangenetiker der Universität Würzburg in Studien mehrfach nachweisen.

Wie bei vielen anderen komplexen Persönlichkeitskonstrukten auch ist die Antwort darauf, wie Resilienz entsteht, nicht so einfach zu beantworten. Im Endeffekt ist es ein Zusammenwirken einer bestimmten Disposition und einer Vielzahl beeinflussbarer, externer und interner Faktoren, die „Resilienz“ entstehen lassen.
Erst 2012 untersuchten Jürgen Bengel und Lisa Lyssenko in einer Metaanalyse die Schutzfaktoren psychischer Gesundheit und werteten dafür mehr als 700 empirische Quellen aus. Auch diese Faktoren sind wieder eine Mischung aus Umweltfaktoren (z.B. soziale Unterstützung) und internen Faktoren (z.B. Selbstwirksamkeitserwartung). Sie konnten fünf Faktoren nachweisen, die als sicher relevant eingestuft werden: Optimismus, positive Emotionen, Selbstwirksamkeitserwartung, soziale Unterstützung bzw. Netzwerkorientierung und Hoffnung bzw. Zukunftsorientierung. Die Forscher belegten eine umfassende Wirksamkeit dieser Resilienzfaktoren im Hinblick auf Alltagsstressoren, kritische Lebensereignisse und traumatische Erfahrungen.

Europaweit erstes Resilienzzentrum in Deutschland

Als europaweit erstes Zentrum seiner Art wurde 2014 von der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) und ihrer Universitätsmedizin das Deutsche Resilienz-Zentrum DRZ gegründet. In der fachübergreifenden Einrichtung arbeiten Neurowissenschaftler, Mediziner, Psychologen und Sozialwissenschaftler mit dem Ziel zusammen, Resilienzmechanismen neurowissenschaftlich zu verstehen, darauf aufbauend mit Präventionsstrategien vorzubeugen und darauf hinzuwirken, Lebensumfelder so zu verändern, dass Resilienz gestärkt wird. Aktuell wird beispielsweise vom Mainzer Resilienz Projekt (MARP) um Prof. Dr. Kalisch eine Studie durchgeführt, in der an einer Gruppe junger Menschen über mehrere Jahre Resilienzfaktoren im schwierigen Lebensalter zwischen Adoleszenz und Erwachsenenleben durch bildgebende Verfahren und Verhaltensstudien erforscht werden.