Mit Scheitern umgehen ist zentral für die Resilienz © Hewac / fotolia

Scheitern bei der WM und anderswo

Oft sind es nur Sekunden, die den Unterschied machen, ob sich Menschen jubelnd in den Armen liegen oder ob sie enttäuscht, frustriert, deprimiert von dannen schleichen. Gewinnen kann immer nur einer, scheitern gehört beim Sport dazu. Der aktuelle Titelverteidiger Spanien enttäuschte, die Medien sprachen von bitterem Erwachen und dann kam das Aus in der Vorrunde. Beim Ausscheiden Englands wurde gleich über den Rücktritt des Trainers spekuliert. Schuldige sind immer schnell identifiziert, die dann als Sündenbock geopfert werden.

Selbst und andere

Ein Fehlpass führt noch nicht zum Scheitern, sondern entscheidend ist das Zusammenspiel der Spieler. Zudem sind stets 2 Mannschaften in der direkten Konkurrenz auf dem Platz. Darüberhinaus zählen im Turnier die Ergebnisse der anderen Mannschaften untereinander für das Scheitern oder Weiterkommen. Zudem kann bei einem Elfmeter ein Spieler an sich selbst, aber auch am exzellenten Torwart scheitern – so wie der chilenische Verteidigers Jara im Achtelfinals am brasilianischen Torwart Júlio César.

Scheitern in Unternehmen

Wie ist dies jedoch in Unternehmen? Welche Auswirkungen haben dort Fehler, „Fehlpässe“ oder Fehlentscheidungen? Auch dort gilt ein Wettbewerb, bei dem nicht jeder gewinnen kann. Über 90% von Produkteinführungen behaupten sich langfristig nicht im Markt. Ist dann das Unternehmen bzw. die verantwortliche Führungskraft oder ein Mitarbeiter schuld? Wer ist dann gescheitert? Oder waren andere Unternehmen dann einfach besser? Im Unternehmenskontext ist das Zusammenspiel von Einzelnen, Führungskräften, Geschäftsleitung komplex, da meist nicht ein einzelnes Verhalten als Ursache für Erfolg oder Misserfolg ausgemacht werden kann. Ob scheitern oder nicht, das ist vorrangig eine subjektive Einschätzung. Vielleicht war es auch schon ein Erfolg und eine Verbesserung der Rangfolge, im Markt – wie bei der WM – dabei gewesen zu sein und ein Erfahrungszuwachs war es allemal.

Bisher ist Scheitern in Unternehmen eher ein Tabu-Thema. Scheitern wird oft mit persönlichem Versagen gleich gesetzt. Gefühle wie Scham, Schuld, Minderwertigkeit, Angst kommen dann auf. Nicht hinschauen wollen, es ist peinlich, Fluchtgedanken entstehen. Manche Menschen tun dann so, als ob alles noch bestens wäre und leiden dabei heftigst. Hilfreich wäre, wenn Scheitern und lernen aus diesen Erfahrungen auch in Unternehmen möglich wäre.

In meinen Resilienztrainings diskutiere ich mit Führungskräften über ihre Scheiter-Erfahrungen. Die meisten zählen in einem Zeitraum von 10-15 Jahren drei bis fünf solche Erfahrungen auf. Fruchtbar und heilsam ist die Reflexion und Diskussion in der Gruppe.

Reflexion von Scheitern

Nutzen Sie die folgenden Fragen für Ihre persönliche Reflexion.

 

  • Wie oft sind Sie schon gescheitert?
  • Was waren das für Situationen?
  • Was hätten Sie in der Situation ändern können und was nicht?
  • Für welchen Teil des Scheiterns tragen Sie Verantwortung und für welchen nicht?
  • Was sind Ihre Potenziale, Grenzen und blinde Flecken?
  • Was hätten Sie anders tun können?
  • Was ist das Gute im Schlechten?
  • Inwiefern war Ihre Erfahrung ein Entwicklungsschritt?
  • Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Erfahrungen. Auch Scheitern gehört zum Leben dazu. Übernehmen Sie Verantwortung auch für diese Erfahrungen in Ihrem Leben.
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