Interaktionen sind wichtig für effektives Online-Lernen
Sicherlich haben Sie bereits an einem Online-Vortrag oder -Impuls teilgenommen. Solche meist Gratis-Angebote dienen vorallem der Sensibilisierung und bieten Ratschläge, wie man aktuell schneller, besser, weiter und insbesondere gesund durch Krisen kommt. Solche Angebote bieten kaum Interaktionsmöglichkeiten. Manchmal gibt es Befragungen, Abstimmungen und die Chatfunktion. Im wesentlichen sind bei diesen Formaten die TeilnehmerInnen komplett auf sich gestellt, was sie aus dem Gehörten machen.
Auch an Webinaren haben Sie sicherlich schon teilgenommen. Manche Webinare sind eigentlich Vorträge mit einem/einer RednerIn, andere Webinare sind eher Interviews. In beiden Fällen ist meist nur wenig Beteiligung der ZuhörerInnen möglich. Solche Formate werden in der Regel aufgezeichnet und sind anschließend als „Konserve“ verfügbar. Es gibt jedoch auch Webinare für kleinere Gruppen, bei denen Reflexion und Interaktion erwünscht sind. Ich hatte in diesem Jahr einige Resilienz-Webinare mit nur 2-3 TeilnehmerInnen. Hier könnte ich eigentlich bereits von Online-Coaching sprechen. Bei Webinar-Reihen können zudem Vertiefungs- und Transferaufgaben gestellt werden. Daher können solche Formate günstig für die Sensibilisierung und für kleine Verhaltensänderungen sein
Die Bezeichnung Live-Online ist aus meiner Sicht das Prädikat für nachhaltigere Online-Angebote. Live-Online bedeutet in meinem Verständnis auch, dass die TeilnehmerInnen mit Video und Audio dabei sind. So kann bei kleineren Gruppen Kontakt zwischen den Menschen und eine vertrauensvolle Atmosphäre entstehen. Beides halte ich für sehr wichtig im Kontext von Persönlichkeitsentwicklung, damit Menschen anfangen können sich zu öffnen und über ihre Schwierigkeiten jenseits des schönen Scheins zu sprechen.
Online-Schulung, – Training oder -Workshop: Diese Formate können 1/2tägig, ganztägig, 2tägig und mit mehreren Modulen stattfinden. Wichtig sind dabei Gruppenarbeiten – sogenannte Breakout-Rooms – in 2er, 3er, 4er Gruppen, bei denen intensiver Austausch und Resonanz Raum bekommt. Die Plenumsphasen müssen gut vorgeplant, visuell unterstützt und adhoc angepasst werden – mehr noch als bei Präsenztrainings. Sonst kann schnell eine SchülerInnen-LehrerInnen-Atmosphäre entstehen, wenn die TeilnehmerInnen immer wieder so wie früher… aufgerufen werden. Aternativen dazu sind Kreisgespräch oder Aufrufen durch die TeilnehmerInnen. Ähnlich wie in Präsenzveranstaltungen sind mit rund 10 TeilnehmerInnen intensive Interaktionen möglich. Daher können bei solchen Maßnahmen durchaus Einstellungs-Veränderungen erreicht werden.
Damit jedoch im Alltag tatsächlich veränderte Einstellungen in veränderte Verhaltensweisen umgesetzt werden, braucht es Zeit und Wiederholungen. Ver-lernen oder Neu-lernen braucht Energie und Durchhaltevermögen. Daher plädiere ich für das System der Lern-Buddys. D.h. 2 Trainings-TeilnehmerInnen verabreden sich für die Zeit nach dem Training für regelmäßige Transfergespräche und unterstützen sich so gegenseitig. Am besten kann dies strukturiert mit einem Online-Transfer-Programm begleitet werden.
Zusätzlich gibt es Online-Lernpakete zum Selbstlernen. Nicht jede/r möchte sich in Trainings „outen“ oder manchmal fehlt auch einfach die Zeit, um zu einem gesetzten Termin teilnehmen zu können. Manch eine/r möchte einfach nur im eigenen Tempo nachdenken, lesen und ausprobieren. Wichtig ist für solche Lernpakete oder Kurse, dass Texte, Videos, Übungen in einem stimmigen Lernarrangement angeboten werden und dass die TeilnehmerInnen sich eine/n vertrauensvolle/n GesprächspartnerIn suchen. Der Austausch bei fix geplanten Terminen erleichtert das Dranbleiben. Ergänzend können Online-Live-Coachings unterstützend für die Persönlichkeitsentwicklung sein.