Mehr Resilienz am Arbeitsplatz – Personalentwicklung am Beispiel Klinikum Fürth
Personalentwicklung spielt eine zentrale Rolle, wenn Resilienz am Arbeitsplatz nicht nur thematisiert, sondern nachhaltig gestärkt werden soll. Gerade in hochbelasteten Arbeitsfeldern zeigt sich, dass Resilienz weniger durch einzelne Maßnahmen entsteht als durch langfristig angelegte Entwicklungsprozesse.
Das folgende Praxisbeispiel aus dem Klinikum Fürth zeigt, wie Personalentwicklung gezielt genutzt werden kann, um Führungskräfte in ihrer Resilienz zu stärken – und damit indirekt auch die Widerstandsfähigkeit von Teams und Organisation. Im Mittelpunkt stehen nicht theoretische Modelle, sondern konkrete Erfahrungen, Vorgehensweisen und Lernpunkte aus mehreren Jahren Praxis.
Ausgangslage: Belastung als Normalzustand im Klinikalltag
Das Klinikum Fürth ist – wie viele Einrichtungen im Gesundheitswesen – geprägt von hoher Arbeitsintensität, zunehmender Komplexität und dauerhaftem Veränderungsdruck. Mitarbeitende und Führungskräfte stehen täglich vor der Herausforderung, fachlich präzise, menschlich zugewandt und zugleich belastbar zu bleiben.
In diesem Kontext zeigte sich, dass klassische Entlastungsangebote allein nicht ausreichen. Die Personalentwicklung stand vor der Aufgabe, Resilienz nicht als zusätzliches Thema „on top“, sondern als integralen Bestandteil des Arbeitsalltags zu gestalten. Dabei ging es weniger um kurzfristige Stressreduktion als um einen langfristig tragfähigen Umgang mit Belastung.
Die Rolle der Personalentwicklung
Die Personalentwicklung übernahm in diesem Prozess eine aktive Gestaltungsrolle. Sie verstand sich nicht nur als organisatorische Schnittstelle, sondern als Rahmengeberin für Lernen, Reflexion und Austausch.
Zentral war dabei die Frage, wie Resilienzmaßnahmen so eingebettet werden können, dass sie anschlussfähig an den klinischen Alltag bleiben. Die Personalentwicklung setzte bewusst auf Formate, die sowohl individuelle Reflexion ermöglichten als auch kollektive Erfahrungen sichtbar machten.
Vorgehen: Resilienz am Arbeitsplatz konkret unterstützen
Im Mittelpunkt stand ein Resilienztraining, das auf die spezifischen Anforderungen des Klinikums zugeschnitten war. Ziel war es nicht, allgemeine Konzepte zu vermitteln, sondern den Teilnehmenden Raum zu geben, eigene Belastungsmuster zu erkennen und neue Handlungsoptionen zu erproben.
Die Maßnahmen wurden bewusst so gestaltet, dass sie:
- an reale Arbeitssituationen anknüpften,
- Austausch zwischen den Teilnehmenden förderten,
- und Reflexion als festen Bestandteil integrierten.
Dabei wurde deutlich: Resilienz lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Mitarbeitende ihre Erfahrungen einordnen, gemeinsam reflektieren und schrittweise neue Perspektiven entwickeln können.
Best Practice: Resilienzförderung durch Personalentwicklung im Klinikum Fürth
Einer der Vorreiter der Resilienzförderung im Gesundheitswesen ist das Klinikum Fürth. Seit 2019 begleite ich dort die Führungskräfte der Pflege- und Funktionsdienste in einem langfristig angelegten Projekt der Personalentwicklung, das gezielt auf die Stärkung von Resilienz ausgerichtet ist. „Es ist uns bewusst, dass unser Personal in einem beruflichen Umfeld arbeitet, das nicht nur körperliche, sondern auch seelische Robustheit erfordert, um selbst gesund zu bleiben“, erläutert Lena Althammer (Referentin der Pflegedirektion) die Beweggründe für die personalentwicklungsorientierte Resilienzinitiative des Klinikums. „Es hat sich etabliert, dass wir in jährlichen Führungsklausuren unseren leitenden Mitarbeiter:innen Werkzeuge für die Selbststärkung an die Hand geben, um die Belastungen ihres anspruchsvollen Klinikalltags besser abfedern zu können.“
In enger Abstimmung mit der Pflegedirektion und Vertretern der Führungskräfte aus den verschiedenen Zentren entwickelten wir ein Konzept für aufeinander aufbauende, jeweils 2-tägige Großgruppen-Workshops mit rund 60 Teilnehmer:innen.
Großgruppen-Workshops als Instrument der Personalentwicklung
Diese Form der Großgruppenarbeit hat sich in der Personalentwicklung besonders bewährt, wenn gemeinsame Orientierung, Austausch und Lernen über Bereichsgrenzen hinweg ermöglicht werden sollen.
Workshop 1: Individuelle Resilienz als Grundlage personaler Entwicklung
Der erste Workshop im Oktober 2019 – noch unbelastet von Corona – stand unter dem Motto „individuelle Resilienz“: An diesen zwei Tagen ging es darum, das Konzept Resilienz zu verstehen, die relevanten Resilienzschlüssel kennenzulernen und den Teilnehmer:innen Ansätze an die Hand zu geben, wie mit Hilfe dieser Resilienzschlüssel in Zukunft vorhandene Ressourcen in herausfordernden Situationen aktiviert werden können.
Workshop 2: Team-Resilienz unter Krisenbedingungen
Beim zweiten Workshop im September 2020 hatten wir nach über einem halben Jahr Corona nicht nur erschwerte Rahmenbedingungen für unseren Workshop-Ablauf, sondern auch Teilnehmer:innen, die nicht mehr „nur“ ihren normalen Arbeitsalltag, sondern zahlreiche neue, zusätzliche Herausforderungen und Veränderungen meistern mussten. Kurzfristige Adhoc-Umstrukturierungen der Pflegestationen, überlastete Teams und emotional belastende Erlebnisse erschwerten die Führungsaufgaben. So passte das Workshop-Thema „Team-Resilienz“ hervorragend zur aktuellen Situation mitten in der Corona-Pandemie. Eine wichtige Fragestellung war unter anderem, wie die Führungskräfte als Multiplikator:innen ein resilientes Mindset in ihre Teams tragen können.
Personalentwicklung unter Pandemiebedingungen: Präsenz-Workshops verantwortungsvoll gestalten
Mit einer guten Location-Wahl und einem durchdachten Hygienekonzept lässt sich auch in Corona-Zeiten ein Präsenz-Workshop mit maximaler Sicherheit für alle Teilnehmer:innen durchführen. Die Großgruppen-Workshops mit dem Klinikum Fürth fanden im Kloster Banz statt, wo wir große, gut belüftete Räume mit viel Platz für ausreichend Abstand zur Verfügung hatten. Alle Teilnehmer:innen waren negativ getestet oder geimpft und die Gruppenarbeiten fanden in festen Gruppen statt, die nach Zentren eingeteilt waren. Die Gruppen wurden auch bei der Tischeinteilung für die gemeinsamen Mahlzeiten beibehalten.
Workshop 3: Führung, innere Klarheit und Zukunftsorientierung
Beim dritten Workshop im Juni 2021 erhielten die Führungskräfte einen neuen Ansatz an die Hand, um ihre Führungsrolle zu reflektieren: In Form von intensiven Zweier-Coachings ging es darum, die „innere Bühne“ zu klären und Ideen für die Zukunftsorientierung zu generieren. So verwundert es auch nicht, dass nach diesem Workshop eine Liste mit fast 15 Ideen und Wünschen für weitere Führungsklausuren entstanden ist.
Aus Sicht der Personalentwicklung wurde in diesem Projekt besonders deutlich, welche zentrale Rolle die Resilienz von Führungskräften spielt. Dies gilt im Gesundheitswesen, aber auch in anderen Branchen mit herausfordernden Situationen am Arbeitsplatz. Nur wer selbst mental widerstandsfähig ist, hat auch die „Strahlkraft“, Resilienz in das eigene Team zu tragen und dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter:innen emotional belastbarer werden und gesund bleiben. Umgekehrt wirkt sich negatives Führungsverhalten auch negativ für alle Beteiligten im Team und die Zusammenarbeit aus.
Rückmeldungen aus der Praxis: Was Führungskräfte als besonders wertvoll erlebt haben
Die folgenden Rückmeldungen aus der Feedback-Befragung verdeutlichen, welche Aspekte der personalentwicklungsorientierten Resilienzarbeit für die Teilnehmenden besonders wirksam waren.
Mit freundlicher Genehmigung des Klinikums Fürth hier einige Antworten aus der Feedback-Befragung der Teilnehmer:innen auf die Frage „Was war für Sie besonders wertvoll“:
„Die bewusste Wahrnehmung meiner Bedürfnisse + Grenzen“
„Mein persönliches Verhalten im Hinblick auf Selbstfürsorge zu reflektieren und reflektiert zu bekommen“
„Die Zeit zu nutzen, intensiv an meinen derzeitigen Überlastungssituationen zu arbeiten“
Wirkung im Alltag: Beobachtungen aus der Praxis
Aus Sicht der Personalentwicklung zeigte sich die Wirkung nicht in schnellen Effekten, sondern in schrittweisen Veränderungen. Mitarbeitende beschrieben, dass sie Belastungen bewusster wahrnahmen, ihre eigenen Grenzen klarer einschätzen konnten und sich im Umgang mit herausfordernden Situationen sicherer fühlten.
Auch im Miteinander wurden Veränderungen sichtbar: Gespräche über Belastung wurden selbstverständlicher, gegenseitige Unterstützung nahm zu, und der Umgang mit schwierigen Situationen wurde reflektierter. Resilienz zeigte sich hier nicht als individuelles „Starksein“, sondern als geteilte Haltung im Arbeitsalltag.
Grenzen und Realitäten
Das Praxisbeispiel macht zugleich deutlich, dass Resilienzarbeit kein Allheilmittel ist. Zeitdruck, strukturelle Rahmenbedingungen und organisationale Zwänge bleiben bestehen. Die Personalentwicklung konnte diese Faktoren nicht auflösen, aber dazu beitragen, einen bewussteren Umgang damit zu ermöglichen.
Resilienz wurde nicht als Zustand verstanden, der erreicht und abgehakt werden kann, sondern als fortlaufender Entwicklungsprozess – mit Phasen von Fortschritt, Stagnation und erneuter Anpassung.
Was dieses Praxisbeispiel für die Personalentwicklung zeigt
Das Praxisbeispiel aus dem Klinikum Fürth macht deutlich, wie Resilienz am Arbeitsplatz durch Personalentwicklung wirksam unterstützt werden kann. Es zeigt insbesondere:
- Resilienz entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch kontinuierliche, aufeinander aufbauende Entwicklungsprozesse.
- Personalentwicklung entfaltet dann nachhaltige Wirkung, wenn sie Räume für Reflexion, Austausch und gemeinsames Lernen schafft – nicht, wenn sie fertige Lösungen vorgibt.
- Praxisnähe erweist sich als wichtiger als methodische Perfektion, insbesondere in hochbelasteten Arbeitskontexten.
- Belastungen und Grenzen gehören zum Entwicklungsprozess dazu und sollten nicht ausgeblendet, sondern bewusst einbezogen werden.
Fazit: Resilienz am Arbeitsplatz braucht gestaltete Personalentwicklung
Das Praxisbeispiel aus dem Klinikum Fürth zeigt, wie Personalentwicklung Resilienz am Arbeitsplatz unterstützen kann, ohne sie zu vereinfachen. Entscheidend ist nicht das einzelne Training, sondern die Art und Weise, wie Lernen, Reflexion und Alltag miteinander verbunden werden.
Resilienz zeigt sich hier als gemeinsam getragene Fähigkeit, mit Belastung umzugehen – nicht perfekt, aber bewusst und entwicklungsfähig.
Resilienz in der Personalentwicklung praxisnah gestalten
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