Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht © Max-Topchii / fotolia

Coaching-Tipp: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

„Das ist wirklich nett gemeint Frau Haid, aber ich mache es lieber auf meine Art und Weise.“ Dieser Satz war ein Denkzettel und der Dank für meine Mühen in den letzten Wochen. Ich machte auf dem Absatz kehrt, atmete tief durch um die Fassung nicht zu verlieren und fokussierte mein Büro. Seit Wochen war ich bemüht, Herrn Vogt seinen Start in unserer Abteilung zu erleichtern. Nachdem Herr Maier völlig unerwartet nach vier Jahren die Abteilung verlassen hat, hielt sich bei den Kollegen die Freude über den neuen Chef in Grenzen. In diesen vier Jahren hat sich in unserer Abteilung ein starker Teamgeist entwickelt und ich befürchtete, dass es nicht einfach für Herrn Vogt werden würde, ein Teil des Teams zu werden. Aus diesem Grund war ich in den letzten Wochen bemüht, Herrn Vogt mit den Eigenheiten des Teams vertraut zu machen. Ich erklärte ihm die Abläufe in unsere Abteilung und gab ihm Tipps für den Umgang mit Frau Dörfler, deren Vertrauen man erst mit der Zeit gewinnen kann. Und er? Er nickt wie immer freundlich und sagt, er wolle es auf seine Art und Weise versuchen!

Kennen Sie das? Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht!

Manchmal hat man das Gefühl, man tut jemandem einen Gefallen und erhält statt Dank Abweisung. Eigentlich sollte sich der andere über das Zuvorkommen doch freuen! Doch manchmal ist der Punkt nicht, dass ein andere schlicht undankbar ist, sondern dass seinem Verhalten andere Denkmuster zu Grunde liegen und er andere Bedürfnisse hat. Das bedeutet aber nicht, dass Situationen, die für Unzufriedenheit sorgen, hingenommen werden müssen. Es gilt die Sache zu verändern. Dabei können wir zwei Veränderungsmaßnahmen unterschieden werden:

Äußere Veränderungen: Äußere Veränderungen erfordern Mut. Einfluss kann man nehmen, wenn man offen mit seinem Gegenüber in die Auseinandersetzung tritt. Kritik geben und Kritik aufnehmen muss geübt werden.

Innere Veränderungen: Innere Veränderungen reflektieren das eigene Verhalten. Was stört mich an der gegebenen Situation? Was ist für mein Wohlbefinden wichtig und wie kann ich das erreichen? Es ist wichtig, sich einen Rückzugsraum zu schaffen, eine Art Käseglocke, in der man nicht verletzbar ist.

Veränderungen sind unvermeidlich, verändern Sie deswegen ihren Umgang mit Veränderungen. Entscheiden Sie sich für einen der beiden Wege.

2 Kommentare
  1. Barbara sagte:

    Schön erklärt, nur leider hilft das nicht, wenn das Gegenüber wiederholt die „Käseglocke“ missachtet. Wenn ich in der offenen Auseinandersetzung mehrfach klargestellt habe „ich möchte das nicht“, das Gegenüber aber (aufgrund seiner/ihrer Denkmuster) nicht davon abzubringen ist, es weiter zu tun – gut gemeint. In Ihrem Beispiel dreht die Person sich weg, nachdem ihr gesagt wird „ich will es auf meine Weise tun“. Mir geht es gerade um die anderen Beispiele, in denen jemand eben nicht akzeptiert, dass das gut Gemeinte nicht gewünscht ist, Grenzen missachtet und für Unzufriedenheit sorgt.

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    • Jutta Heller sagte:

      Natürlich gibt es auch Situationen oder Personen, die sich nicht ändern, auch wenn wir das auf alle zur Verfügung stehenden Arten versuchen. Andere Menschen ändern sich nur, wenn sie das auch selbst wollen, und das können wir manchmal nicht beeinflussen, auch wenn wir es uns wünschen mögen. Immer andern können wir aber unsere eigene Einstellung, wenn wir in solchen Situationen an einen Punkt kommen, der Weiterkämpfen sinnlos erscheinen lässt: Also die andere Person und ihr Verhalten akzeptieren oder zumindest tolerieren. Oder, wenn die Situation gar nicht mehr erträglich ist, bleibt als letzte Möglichkeit noch, sich daraus zurückzuziehen. Change ist, love it or leave it – das sind die drei Optionen, die uns zur Verfügung stehen. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre persönlichen Resilienz-Herausforderung!

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