Klimaneutrales Training

Als ich für meine Treibhausgasbilanz 2018 die Bahnkilometer zusammenrechnete, hat mich das Ergebnis dann doch überrascht: Stolze 8426 km habe ich letztes Jahr in der Bahn statt im Auto verbracht! In den gereisten Kilometern enthalten sind Reisen zu KundInnen für Vorträge, Trainings, Workshops und andere Maßnahmen zur Resilienzentwicklung. Auch diesen Text entwerfe ich gerade in der Bahn – die ich auch deswegen schätze, weil ich hier im Gegensatz zum Auto meine Konzentration auf meine Arbeit lenken kann statt auf den Verkehr. Aber ist das schon der Weg für ein klimaneutrales Training?

Bahn statt Auto oder Flugzeug ist schon mal ein guter Schritt hin zu meinem Ziel: Nachdem mein Unternehmen Prof. Dr. Jutta Heller bereits für 2018 und 2019 klimaneutral ist, sollen nun auch alle durchgeführten Maßnahmen klimaneutral werden.

Klimaneutrales Training – Warum?

Es ist bekannt, dass die durchschnittliche Erdtemperatur seit langem bedrohlich steigt und die angepeilte Begrenzung auf maximal 1,5° über dem vorindustriellen Niveau nur noch mit höchster gemeinsamer Anstrengung aller Länder zu schaffen ist. Die ökologischen Bedrohungen durch Klimaerwärmung werden immer größer, mit Stürmen, Überschwemmungen und Dürreperioden haben wir in den letzten Jahren fast ständig zu kämpfen. Deswegen ist ein klimapositives Handeln der einzige Weg, um mit der drohenden Krise umzugehen. Ich möchte nicht nur als einzelne Person, sondern auch mit meinem Unternehmen Treibhausgasemissionen reduzieren – das stärkt auch meine Unternehmensresilienz, indem ich Verordnungen zuvorkomme und neue Wege ausprobiere, bevor ich durch Ressourcenknappheit dazu gezwungen bin.

Der Weg zum klimaneutralen Training

Um eine Klimabilanz eines Unternehmens zu erstellen, muss erst einmal der Verbrauch erfasst werden. Dafür habe ich mit einem CO2-Rechner der Fokus Zukunft GmbH, der alle unternehmenszugehörigen Bereiche einschließt, den CO2-Fußabdruck meines Unternehmens berechnet. Bei diesen Bereichen handelt es sich vor allem um Heizung und Strom für´s Büro, Geschäftsreisen, generelle Mobilität und Verbrauchsmaterial. Und da kam eben die Kilometer-Zahl der Bahnreisen heraus!

Schon bei der Berechnung für 2018 fällt die Bilanz recht gut aus: Mein ganzes Unternehmen produziert jährlich mit knapp 10 t in etwa so viel Treibhausgas wie eine durchschnittliche deutsche Privatperson.

Strom und Heizung für das Büro beziehe ich bereits fast zur Hälfte aus Ökostrom, demnächst stelle ich die Energieversorgung 100% auf Ökostrom ganz ohne konventionelle Stromerzeugung um. Zudem habe ich auf dem Dach eine größere Photovoltaikanlage und dazu auch eine Batterie. Mobilität, vor allem in Form von Geschäftsreisen ist natürlich bei meiner Tätigkeit ein großer Faktor. Schließlich führe ich den überwiegenden Teil meiner Resilienz-Trainings, Resilienz-Workshops und Organisationsentwicklung-Maßnahmen bei KundInnen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz vor Ort durch. Genauso wie die Impuls-Vorträge, um den Resilienz-Gedanken in Unternehmen zu verankern. Dadurch bin ich viel unterwegs – und auch wenn ich, wo möglich, mit der Bahn anreise, fällt die eine oder andere Autofahrt und Flugreise an. Einen Pluspunkt sichert mir da meine Mitarbeiterin, die ihren Arbeitsweg ganzjährig mit dem Fahrrad zurücklegt und dadurch in der Mobilitätsbilanz mit 0 Tonnen Treibhausgasemission zu Buche schlägt.

Wie Prof. Dr. Jutta Heller klimaneutral wird

Auch wenn mein Unternehmen schon vergleichsweise gut abschneidet: Das Ziel ist es, komplett klimaneutral zu werden. Die Treibhausgase, die bisher noch nicht vermeidbar sind, werden deswegen von mir durch Klimaschutzzertifikate ausgeglichen – in doppelter Menge als meine persönliche Verpflichtung. Das bedeutet, dass ich Projekte finanziell unterstütze, die doppelt so viel CO2 einsparen wie mein Unternehmen (noch) produziert. Und das sind die Projekte, für die ich Klimaschutzzertifikate gekauft habe:

  • Das Vichada Climate Reforestation Project in Kolumbien beim Orinoco. Das Projekt forstet tropische Regenwälder im Orinoco Department wieder auf. Diese Wälder bieten einen natürlichen Lebensraum für einheimische Tiere und Pflanzen, schützen und bereichern den Boden, speichern und filtern Wasser und tragen zur Minderung des Treibhauseffekts bei. Zum Orinoco habe ich durch meine Auszeit in Venezuela eine enge Beziehung – eine Auszeit, die mein Leben veränderte und als persönliche Erfahrung mein Interesse für Resilienz geweckt hat.
  • Das Avoided Deforestation Project in Brasilien. Hauptsächlich widmet sich dieses Projekt der Vermeidung von illegaler Wald-Abholzung in einem krisengebeutelten und strukturschwachen Gebiet in der Nähe von Manaus. Manaus ist für mich ein großes Wunschziel, von wo aus ich irgendwann mal eine Reise auf dem Amazonas starten möchte – ähnlich wie Fitzcarraldo im Film von Werner Herzog, jedoch ohne Bergüberquerung…
  • Das Kleinwasserkraftwerk Santa Edwiges II in Brasilien, das ökologischen Strom für Brasilien gewinnt. Dieses Projekt befindet sich auch im nördlichen Teil Brasiliens in der Amazonas Region.

Diese Klimaschutzzertifikate kosten pro Tonne zwischen 2,50€ und 10€. Die Projekte sind zertifiziert von “Fokus Zukunft” mit dem GS CER-Standard.

Klimaneutrale Kundenprojekte

Wenn nun in meiner Akademie Resilienztrainings, die Coaching-Wochenenden für Frauen oder die Ausbildung zum/zur ResilienzberaterIn durchgeführt werden, dann berechne ich die durch die Anreise und den Verpflegungsbedarf angefallenen CO2-Menge. Hierüber führe ich Buch und gleiche das mit Zahlungen für diese drei Projekte beim Amazonas und Orinoco aus, was aus meiner Sicht ein geringer und wirklich leistbarer Betrag ist.

Einem ersten Kunden habe ich bereits angeboten, dass sein geplante Resilienz-Workshop klimaneutral durchgeführt wird. Im Durchschnitt mit ca. 15 TeilnehmerInnen, Übernachtung und Verpflegung in einem Hotel werden ca. 2 t CO2 produziert. D.h. dass bereits mit 5€ eine Kompensation möglich ist. O-Ton des Kunden:

Bei den fakultativen Leistungen habe ich gerne die CO2 klimaneutrale Durchführung angekreuzt.”

Wenn wir dann im Herbst den Workshop durchführen, setze ich eine kleine Liste ein, wo jede/r TeilnehmerIn die eigene Anreise mit Kilometer und genutztem Fahrzeug einträgt. Die Hotelleistungen werden pauschaliert erfasst. Auf dieser Basis kann ich dann den tatsächlichen CO2-Fußabdruck der Maßnahme berechnen. Wichtig ist mir auch, dass nur durch das Ausfüllen dieser kleinen Tabelle hoffentlich zunehmend mehr Menschen für das Thema CO2-Fußabdruck sensibilisiert werden.

Wenn wir alle bei jeder Flugreise den CO2-Ausgleich bezahlen, wenn wir das bei Hotelübernachtungen tun (einige Hotels bieten das bereits an) und wann immer uns diese Möglichkeit angeboten wird, dann können wir etwas bewirken. CO2-Ausstoß vermeiden und ausgleichen, beides ist eine gute Möglichkeit, einen kleinen Teil zur Rettung des Weltklimas beizutragen.

 

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