Frau in Power Pose mit erhobenen Faeusten

Power Pose: Mit Körperhaltung Resilienz und Zuversicht stärken

Unsere Körperhaltung beeinflusst stärker, wie wir uns fühlen und denken, als vielen Menschen bewusst ist. Wer sich aufrichtet, Raum einnimmt und stabil steht, erlebt häufig mehr Zuversicht und innere Stärke. Diese Wechselwirkung zwischen Körper und psychischem Erleben wird in der Psychologie als Embodiment bezeichnet. Sie beschreibt, dass Gedanken, Gefühle und körperliche Prozesse eng miteinander verbunden sind.

Eine einfache Methode, diesen Zusammenhang bewusst zu nutzen, ist die sogenannte Power Pose – eine kraftvolle Körperhaltung, die das eigene Erleben positiv beeinflussen kann.

Im Folgenden erfahren Sie, wie diese Methode funktioniert und wie Sie sie im Alltag nutzen können, um Ihre Resilienz und Handlungsfähigkeit zu stärken.

Embodiment: Wie Körper und Psyche zusammenwirken

Der Begriff Embodiment beschreibt die enge Wechselwirkung zwischen Körper, Emotionen und kognitiven Prozessen. Körperliche Zustände beeinflussen unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Verhalten – und umgekehrt wirken sich Gedanken und Gefühle auch auf unseren Körper aus.

So verändert beispielsweise eine angespannte Körperhaltung häufig auch das emotionale Erleben: Menschen fühlen sich schneller unsicher, angespannt oder defensiv. Eine aufrechte und offene Haltung hingegen wird häufig mit mehr Selbstvertrauen, Energie und Optimismus verbunden.

Findige Forscherinnen haben mal ein Experiment gemacht, um den Zusammenhang zwischen Körper und Emotion zu überprüfen. Die Teilnehmer*innen der Studie mussten einen Bleistift quer in den Mund nehmen, mit den Zähnen halten und die Lustigkeit eines Comics beurteilen. Das Ergebnis: Diejenigen Teilnehmer*innen, die einen Bleistift im Mund hatten und dadurch unwillkürlich ihre Lachmuskeln anspannten, fanden den Comic signifikant lustiger.

Power Pose: Kraftvolle Körperhaltung bewusst nutzen

Eine praktische Anwendung des Embodiment-Gedankens ist die sogenannte Power Pose. Dabei handelt es sich um eine bewusst eingenommene Körperhaltung, die Stärke, Stabilität und Selbstvertrauen signalisiert.

Typische Merkmale einer Power Pose sind:

  • aufrechte Haltung
  • stabile Standposition
  • offener Brustraum
  • ruhige Atmung

Wenn Menschen diese Haltung für kurze Zeit bewusst einnehmen, berichten viele von einem Gefühl größerer innerer Stärke und Klarheit.

Die Psychologin Amy Cuddy z.B. hat das Power Posing entwickelt.  Im Video erklärt sie anschaulich die physiologischen Hintergründe für die Wirkung solcher Power Posen. Schauen Sie sich das unterhaltsame Video von Amy Cuddy an – 17 Minuten, die sich lohnen!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Eine Power Pose entwickeln

Amy Cuddy erklärt in ihrem Vortrag, dass eine Haltung, die Kraft- und Machtlosigkeit ausdrückt, zu einem Cortisolanstieg und einem Testosteronabfall im Blut und damit zu mehr Stress-Erleben führt. Wie ist das bei Ihnen? Wie machen Sie sich klein in Situationen, die für Sie belastend oder schwierig sind? Wie nehmen Sie sich selbst in solchen Situationen wahr? Überlegen Sie, was genau daran das Charakteristische ist – und wie Sie es mit einer stärkenden Power-Pose kontrastieren können.

Vielleicht kennen Sie zum Beispiel dies: In belastenden Situationen ändert sich die Atmung, man hält die Luft an und beginnt, flacher als sonst zu atmen. Das Charakteristische daran kann für jeden etwas anderes sein. Für mich ist es die „Enge„, die ich dabei wahrnehme – es gelangt nicht genug Luft in meine Lunge, mein Körper zieht sich zusammen. Mein Kontrast-Erleben dazu ist eine Power-Pose mit weit nach oben gereckten Armen, die meinen Brustkorb weitet, meinen Oberkörper aufrichtet und wie von selbst Luft bis in meinen Bauch hinunterzieht.

Ihre persönliche Power Pose entwickeln

Am besten können Sie eine Power Pose natürlich nutzen, wenn Sie diese in Ihrem normalen Umfeld einsetzen können – ohne Aufsehen zu erregen. Ein Tarzan-Schrei mit Brustgetrommel ist zwar für viele eine sehr starke Pose – aber eben auch sehr auffällig, wenn man sie im Büro einsetzen würde… Wenn aber die „Essenz“ des Tarzanschreis ein tiefes Ausatmen ist, dann können Sie diese sehr wohl in Ihren normalen Alltag integrieren. Für mich ist das beispielsweise das Aufrichten meines Oberkörpers, was meinen Brustkorb weitet und damit die Essenz meiner Power Pose „hochgereckte Arme, Brustkorb weiten, tief ein- und ausatmen“ beinhaltet.

Wie könnte Ihre Power Pose aussehen? Und was genau ist das Charakteristische daran? Überlegen Sie, was genau sich für Sie in Ihrer Power Pose stark und richtig anfühlt. Das können Aspekte sein wie:

  • die Weite im Brustkorb
  • eine Streckung durch das Aufrichten des Oberkörpers
  • Überblick über die Situation, wenn der Blick in die Weite geht
  • …oder ein ganz anderer Aspekt, der für Sie die Essenz von Selbstvertrauen und Kraft ist.

Power Pose im Alltag anwenden

Die Power Pose lässt sich in vielen Situationen bewusst einsetzen – beispielsweise vor wichtigen Gesprächen, Präsentationen oder herausfordernden Entscheidungen. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, nehmen Sie Ihre Power Pose ein und atmen ruhig und gleichmäßig weiter. Halten Sie diese Haltung für etwa eine Minute.

Reflektieren Sie anschließend:

  • Wie hat sich meine Körperhaltung angefühlt?
  • Hat sich meine Stimmung verändert?
  • Hat sich meine innere Haltung zur Situation verändert?

Viele Menschen berichten, dass sich ihre innere Haltung dadurch verändert: Sie fühlen sich ruhiger, klarer und handlungsfähiger.

Ein Tipp zum Weiterlesen ist das Buch von Dr. med. Claudia Croos-Müller: „Kopf hoch“ (Croos-Müller, C. (2011): Kopf hoch. Das kleine Überlebensbuch, München: Kösel). Darin stellt sie in kleinen alltagstauglichen Übungen vor, wie wir durch einzelne Haltungsänderungen unsere Wohlbefinden steuern können.

Anwendung in Führung und Teamarbeit

Auch im beruflichen Kontext kann der Zusammenhang von Körperhaltung und innerer Haltung eine Rolle spielen. Führungskräfte profitieren häufig davon, wenn sie vor wichtigen Gesprächen oder Entscheidungen bewusst eine stabile und offene Körperhaltung einnehmen.

Eine solche Haltung kann nicht nur das eigene Erleben beeinflussen, sondern wirkt auch auf andere Menschen: Körpersprache vermittelt häufig Sicherheit, Präsenz und Klarheit.

Warum Körperhaltung ein Faktor für Resilienz sein kann

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, auch in belastenden oder unsicheren Situationen handlungsfähig zu bleiben. Neben kognitiven Strategien spielen dabei auch körperliche Prozesse eine Rolle. Eine stabile Körperhaltung kann dazu beitragen, Stressreaktionen zu regulieren und das eigene Erleben zu beeinflussen. Wer bewusst eine kraftvolle Haltung einnimmt, aktiviert häufig auch innere Ressourcen wie Zuversicht, Handlungsbereitschaft und Selbstwirksamkeit.

Mit Power Posen können Sie also täglich etwas für Ihr Wohlbefinden tun – und gleichzeitig für Ihre Resilienz, jetzt und in zukünftigen schwierigen Zeiten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gut Ihre Herausforderungen meistern. Passen Sie auf sich auf und sorgen Sie für sich!

 

Resilienz entsteht nicht nur durch mentale Strategien, sondern auch durch körperliche Prozesse. Der bewusste Umgang mit der eigenen Körperhaltung kann daher ein einfacher und wirkungsvoller Ansatz sein, um innere Stärke zu aktivieren.

Methoden wie die Power Pose nutze ich auch in Trainings, Workshops und Coachings, um Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ressourcen zu aktivieren und ihre Resilienz zu stärken.

Ich freue mich auf Ihre Anfrage!

2 Kommentare
  1. Sandra sagte:

    Liebe Frau Prof. Dr. Heller, vielen herzlichen Dank. Den Optimismus als wichtigen Resilienzfaktor zu entwickeln ist ganz essentiell. Für mich gehört in dieser Zeit auch Dankbarkeit dazu- dankbar für den Zusammenhalt , die gegenseitige Liebe die gezeigt wird in der Familie und mit Freunden- obwohl man sich gerade nicht sehen kann. Die kreativen Ideen die man entwickelt (video drehen für die Omi im Pflegeheim; Einkaufen für Nachbarn; Tauschbörse von alltäglichen Dingen im Haus wie z.B Batterien etc), weil man vertraut dass es weitergehen wird. Anders, aber es wird. Die Natur die man in kleinen Dingen bestaunen kann und sich erfreut. Ja -ich habe auch Angst und Sorgen- ich als Selbständige – gerade aus der Existenzgründungsphase herausgetreten, wollte gerade durchstarten. Mich trifft es hart und existenziell sehr bedrohlich – und … und das verwirrt mich noch manchmal- ich hab einfach Vertrauen. Vertrauen in mich, die Menschen, den Sozialstaat, und in die Zukunft. ich freue mich auf weiter Beiträge! Bleiben Sie gesund! Mit herzlichen Grüßen, Sandra

    Antworten
    • Jutta Heller sagte:

      Liebe Sandra, vielen Dank für diese schönen Worte. Vertrauen in sich selbst und in Ihr Umfeld ist in Krisenzeiten das beste, was Sie haben können. „Wir haben auch anderes schon geschafft – das hier werden wir auch schaffen“: Genau darin drückt sich hohe Selbstwirksamkeit aus, die ich Ihnen und uns allen jetzt wünsche.
      Herzlichst,
      Ihre Jutta Heller

      Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert