Krisenradar

In meinem Buch “30 Minuten – Resilienz für Unternehmen” geht es um Krisenprävention in der VUKA-Welt, um Resilienz-Ansätze für Unternehmen, Stellschlüssel für mehr Unternehmens-Resilienz und die Entwicklung eigener Unternehmens-Resilienz.

Der Fähigkeit von Unternehmen, Krisen frühzeitig zu erkennen, räume ich großen Raum ein. Schließlich ist sie es, die den Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, rechtzeitig zu reagieren und Krisen abzuwenden. Dabei ist es in der modernen Zeit ziemlich einfach, Informationen zu erhalten – wir werden ja sogar auf allen Kanälen damit überschwemmt. Jedes Unternehmen muss sich aber intensiv mit der Frage befassen, wie es die relevanten Informationen für das eigene Gedeihen ausfindig machen kann.

Krisenindikatoren von außen

Die klassische Form der Krisenprävention sind Früherkennungssysteme, die bestimmte Indikatoren kontrollieren. Die Kunst besteht darin, die richtigen Indikatoren zu finden. Beim Feuerschutz ist das zum Beispiel relativ klar: Hitze und Rauchentwicklung sind gute Indikatoren für eine Situation, in der Alarm ausgelöst werden sollte. Wie sieht es nun aber mit Indikatoren für Bedrohungen komplexer Systeme aus? Unternehmen sind hoch komplexe Systeme, die ebenso hoch komplexen Einflüssen ausgesetzt sind. Sie müssen auf vielfältige Risiken achten, und gleichzeitig auch noch aufmerksam bleiben für neue Chancen, die immer weniger vorhersehbar sind. Allerdings: Auch wenn sie nicht mehr klar vorhersehbar sind, gibt es immer Signale für drohende Risiken oder gefährliche Entwicklungen. Keine Krise kommt völlig aus dem Nichts, sondern sie kündigen sich immer vorher an – vielleicht werden aber die Vorboten der Krise einfach nicht wahrgenommen. Die Theorie der schwachen Signale (nach H. Ansoff) geht davon aus, dass nichts, wirklich gar nichts, unangekündigt passiert. Aber vieles kündigt sich lediglich ganz schwach, fast unterbewusst, an. Das kann ein leiser Alarmton im Kopf sein beim Lesen eines Berichts über bestimmte Trends, oder ein relativ unbestimmtes Bauchgefühl, oder oder oder… wir sollten die Intuition für zukünftige Entwicklungen nicht außer Acht lassen, denn sie kann uns wertvolle Signale für drohende Krisen zeigen, die sich noch nicht ganz fassen lassen.

Sensibilisierung von MitarbeiterInnen

Wenn nun aber die Konzentration auf wenige, klar fassbare Indikatoren nicht ausreicht, muss sie ergänzt werden durch eine Sensibilisierung der MitarbeiterInnen. Gerade diejenigen, die Kontakt zu den KundInnen haben, können störende Signale ganz früh erkennen – wenn sie denn drauf achten. Und das tun diejenigen MitarbeiterInnen, die einerseits einen größtmöglichen Einblick in den Unternehmenszweck haben und daher einschätzen können, was dem Unternehmen schaden könnte. Auch hier spielt die Intuition eine Rolle. Letztendlich ist Intuition nichts anderes als ein Verständnis der Zusammenhänge gepaart mit Erfahrung, die bei ganz bestimmten Situationen darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt. Andererseits sollten die MitarbeiterInnen dann auch einen großen Handlungsspielraum haben, um eigenverantwortlich schnell und flexibel auf solche schwachen Signale reagieren zu können. Bei Bedarf können dann auch die MitarbeiterInnen in der Peripherie schnell entscheiden und handeln. Wenn dagegen jede Information erst einen bürokratischen Weg hinter sich bringen muss, damit eine Entscheidung getroffen werden darf, gehen Informationen verloren oder werden nicht ernst genommen, weil der Kontext fehlt.

Krisenradar

Und damit sind wir beim Krisenradar. Denn ein Netz von MitarbeiterInnen, die permanent mitdenken und überprüfen, ob alles gut läuft, scannen das Umfeld besser als jeder andere Indikator für Störsignale. Danach geht es in einem zweiten Schritt natürlich immer noch darum, die gesammelten und übermittelten Daten auszuwerten und Ursachen und mögliche Auswirkungen zu ermitteln. Durch die Sensibilisierung der MitarbeiterInnen jedoch werden so viele potentielle Signale wahrgenommen wie möglich, und das ganze Unternehmen profitiert von einem engmaschigen Früherkennungssystem.

Resilienzberatung für Unternehmen

Resilienz entsteht in Unternehmen durch die Sensibilisierung für schwache Signale und durch eine Kultur der Aufmerksamkeit und Eigenverantwortung bei den MitarbeiterInnen. Darüber hinaus kann ein Unternehmen noch an einer Vielzahl anderer Faktoren zur Resilienzentwicklung ansetzen.

Sind Sie BeraterIn, TrainerIn, Coach oder Personal-/OrganisationsentwicklerIn und wollen dazu beitragen, Organisationen resilienter aufzustellen? In der Ausbildung zum/zur ResilienzberaterIn befassen wir uns intensiv mit den Zusammenhängen individueller und organisationaler Resilienz und den vielen Möglichkeiten, Resilienz in Unternehmen zu entwickeln. Für den Ausbildungsstart im Januar 2019 sind noch Plätze frei. Informieren Sie sich hier: https://juttaheller.de/akademie/resilienzberatung/

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