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Positive Psychologie – wissenschaftliche Grundlage vieler Resilienzmethoden

Die Positive Psychologie ist ein psychologischer Forschungsansatz, der untersucht, wie Menschen ihre Stärken entfalten, ihr Wohlbefinden steigern und auch unter Belastungen psychisch gesund bleiben können. Damit liefert sie wichtige wissenschaftliche Grundlagen für viele Methoden der Resilienzförderung.

Während sich die klassische Psychologie lange vor allem mit psychischen Störungen beschäftigte, richtet die Positive Psychologie den Blick auf eine andere Frage:

Was macht Menschen stark, zufrieden und widerstandsfähig?

Diese Perspektive ist besonders relevant für die Entwicklung von Resilienz, also der Fähigkeit, mit Krisen, Stress und Veränderungen konstruktiv umzugehen.

Was ist Positive Psychologie?

Die Positive Psychologie entstand Ende der 1990er-Jahre als wissenschaftliche Forschungsrichtung innerhalb der Psychologie. Als Begründer gilt der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman, der gemeinsam mit Mihaly Csikszentmihalyi den Fokus der Psychologie erweitern wollte.

Statt ausschließlich zu untersuchen,

  • wie psychische Probleme entstehen
  • und wie sie behandelt werden können

stellt die Positive Psychologie eine ergänzende Frage:

Wie können Menschen ihr Wohlbefinden, ihre Stärken und ihre Lebenszufriedenheit entwickeln?

Untersucht werden dabei insbesondere

  • positive Emotionen
  • persönliche Stärken
  • gelingende Beziehungen
  • Sinn und Lebensbedeutung
  • individuelle Entwicklungsmöglichkeiten

Diese Faktoren tragen dazu bei, dass Menschen auch schwierige Lebenssituationen besser bewältigen können.

Das PERMA-Modell – ein zentrales Modell der Positiven Psychologie

Ein bekanntes Modell der Positiven Psychologie ist das PERMA-Modell, das von Martin Seligman entwickelt wurde. Es beschreibt fünf Faktoren, die wesentlich zum Wohlbefinden beitragen:

P – Positive Emotions
positive Gefühle wie Freude, Dankbarkeit oder Hoffnung

E – Engagement
das Erleben von Flow und das Nutzen eigener Stärken

R – Relationships
tragfähige soziale Beziehungen

M – Meaning
das Erleben von Sinn und Bedeutung

A – Accomplishment
Zielerreichung und Erfolgserlebnisse

Diese fünf Bereiche beeinflussen maßgeblich, ob Menschen sich psychisch stabil, zufrieden und leistungsfähig fühlen.

Positive Gefühle

Um ein glückliches Leben zu führen, reicht es nicht einfach nur aus, keine negativen Gefühle zu erleben. Ein ganz entscheidender Faktor für unser Wohlbefinden ist das regelmäßige Erleben positiver Emotionen wie Freude, Optimismus, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Genuss oder Zuneigung. Das Erleben positiver Gefühle betont auch die Psychologin Barbara Fredrickson. Sie beschreibt, wie wir mit dem Fokus auf positive Momente zunehmend in eine uns selbst stärkende Aufwärtsspirale hinein kommen.

Engagement

Wenn Menschen sich für etwas engagieren und in einer Tätigkeit aufgehen, dann erleben sie „Flow“, ein Begriff der durch Psychologen Mihály Csíkszentmihályi geprägt wurde. Das „Flow-Erleben“ lässt uns aufblühen und erhöht bedeutend unsere Lebenszufriedenheit. Prinzipiell sollten wir uns Aufgaben entsprechend unserer Talente suchen, die uns weder über- noch unterfordern.

Relationships (positive Beziehungen)

Wenn wir die Erfahrung machen, mit anderen Menschen verbunden zu sein, wenn wir Teil eines sozialen Netzwerks sind und uns auf unser Umfeld verlassen können, verschafft uns das ein großes Glücksgefühl. Das kann im Zuge effektiver Teamarbeit sein, durch verlässlichen Kollegen, durch die Mitgliedschaft in Vereinen oder durch gut funktionierenden Familien sowie tiefe Freundschaften. All diese positiven Beziehungen tragen ganz im Sinne des Resilienzfaktors Netzwerkorientierung einen großen Teil zu unserer Zufriedenheit bei.

Wichtig ist hier auch der Aspekt, dass wir durch unseren Interaktionsstil die Beziehungsgestaltung positiv beeinflussen können oder aber auch unterminieren können. Es gibt vier Möglichkeiten zu reagieren, von denen aber nur eine Beziehung aufbaut und damit das Glückserleben des Gegenübers positiv beeinflusst.

Folgendes Beispiel erläutert diese Reaktionsstile:

Ihr Kollege erzählt Ihnen nach dem Mitarbeitergespräch mit seinem Vorgesetzten, dass er befördert wurde und eine Gehaltserhöhung bekommen wird.

Folgende Reaktionsmöglichkeiten haben Sie:

  • Aktiv-konstruktiv: „Das ist ja klasse! Ich freue mich für dich. Was genau hat Dir denn dein Chef gesagt? Erzähl mir, wie das Gespräch lief. Wir sollten das unbedingt feiern.“ Nonverbal: Blickkontakt, Ausdruck des positiven Gefühls durch ein Lächeln.
  • Passiv-konstruktiv: „Das sind tolle Neuigkeiten. Das hast du dir verdient.“ Nonverbal: Kaum oder kein aktiver Ausdruck von Emotionen.
  • Aktiv-destruktiv: „Das klingt ganz so, als ob du nun noch mehr zu tun bekommst. Da werden wir wohl jetzt nicht mehr so viel im Team zusammen arbeiten, oder?“ Nonverbal: Ausdruck des negativen Gefühls durch ein Stirnrunzeln oder finsterer Blick.
  • Passiv-destruktiv: „Was gibt es denn heute in der Kantine?“ Nonverbal: Kaum Blickkontakt
    Mit der aktiv-konstruktiven Reaktion zeigen Sie Interesse an Ihrem Gegenüber und freuen sich mit ihm. Das tut nicht nur ihm gut, sondern stärkt auch Ihr Wohlbefinden und die gemeinsame Zusammenarbeit.

Meaning (Sinn)

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Wohlbefinden ist, wenn wir unsere Stärken und Fähigkeiten zu einem höheren Zweck einsetzen. Wenn wir darin die Sinnhaftigkeit erkennen und erleben, geben wir auch gleichzeitig unserem Leben eine Bedeutung.

Accomplishment (Zielerreichung)

Sich selbst explizit Ziele im Leben setzen, zukunftsorientiert handeln, eigene Ziele erreichen – das alles führt nicht nur zu einer Stärkung der Selbstwirksamkeit sondern steigert auch unser Wohlbefinden entscheidend. Wenn wir erleben, dass wir unseres eigenen Glückes Schmied sind, dass wir mit Eigenverantwortung weiterkommen, dann fördert das unsere Lebenszufriedenheit und unsere Resilienz.

Methoden aus der Positiven Psychologie

Aus der Positiven Psychologie sind zahlreiche Methoden entstanden, die heute im Coaching, Training und in der Organisationsentwicklung eingesetzt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Stärkenorientiertes Arbeiten

  • Dankbarkeitsübungen

  • Reflexion persönlicher Werte

  • Sinn- und Zielarbeit

  • Übungen zur Förderung positiver Emotionen

Viele dieser Methoden werden auch in Resilienztrainings genutzt, um persönliche Ressourcen zu stärken.

Positive Psychologie und Resilienztrainings

Martin Seligman entwickelte auf Basis von PERMA und den Ergebnissen seiner zahlreichen Untersuchung ein spezielles Resilienztraining u.a. für Soldaten der US-Army. Soldaten erleben in Kriegseinsätzen viel Schreckliches – viele sind traumatisiert und entwickeln Angsterkrankungen, Depressionen oder gar Posttraumatische Belastungsstörungen. Das sogenannte „Master Resilience Training“ wurde eingeführt, um genau diese Folgen zu reduzieren. Das Trainingsprogramm besteht aus 3 Teilen:

  1. Aufbau von mentaler Widerstandsfähigkeit
  2. Aufbau von Ressourcen
  3. Aufbau von starken Beziehungen

Zusätzlich wird das Training durch selbstgesteuertem Lernen unterstützt. Der Schwerpunkt liegt darauf, die eigenen Gedanken bei Problemen in Richtung einer optimistischen und positiven Haltung zu steuern. So können die Soldaten nach Belastungen und Krisen zielgerichtet ihre Mission fortsetzen.

Wenn Sie mehr über die Positive Psychologie, Seligmans Arbeit und effektive Übungen zur Stärkung des Wohlbefindens erfahren möchte, sollten Sie in seinem Buch „Flourish“ nachlesen. Hier gibt er einen guten Überblick über die Entwicklung der Positiven Psychologie, fasst seine Überlegungen und Erkenntnisse eines glücklichen Lebens zusammen.

Eine umfangreiche Liste der aktuellen englischsprachigen Literatur zur Positiven Psychologie finden Sie hier.

Positive Psychologie als Grundlage vieler Resilienzmethoden

In meinen Trainings, Coachings und Workshops nutze ich verschiedene Methoden, die aus der Positiven Psychologie oder verwandten psychologischen Ansätzen stammen.

Der Grundgedanke dabei ist:

Resilienz entsteht nicht nur durch Stressbewältigung, sondern vor allem durch den gezielten Aufbau psychologischer Ressourcen.

Die Positive Psychologie liefert dafür eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage.

Wie stärken Sie Ihre psychologischen Ressourcen?

In meinen Trainings, Workshops und Coachings zur Resilienz arbeite ich mit ausgewählten Methoden aus der Positiven Psychologie und anderen psychologischen Ansätzen, die Menschen dabei unterstützen, ihre Ressourcen bewusst zu entwickeln und auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Ich freue mich auf Ihre Anfrage!