Selbstwirksamkeit und Resilienz – Forschungsperspektiven
Selbstwirksamkeit gilt als zentrale psychologische Ressource, die resilientem Verhalten zugrunde liegt: Höhere Selbstwirksamkeit korreliert signifikant mit besserer Stressbewältigung, höherer Anpassungsfähigkeit und geringerer Vulnerabilität für psychische Belastungen. Neuere empirische Untersuchungen zeigen, dass Personen mit höherem Selbstwirksamkeitserleben nach Rückschlägen schneller wieder handlungsfähig werden und aktiver Bewältigungsstrategien entwickeln.
Im Rahmen der sozialen-kognitiven Theorie wirkt Selbstwirksamkeit als Moderator zwischen Stressoren und der individuellen Reaktion auf diese Stressoren: Je stärker die Überzeugung, Herausforderungen meistern zu können, desto geringer die wahrgenommene Belastung und desto höher die Wahrscheinlichkeit, adaptive Handlungsstrategien umzusetzen.
Mechanismen der Selbstwirksamkeit – innere Prozesse verstehen
Kognitive Regulation
Selbstwirksamkeit beeinflusst, wie Menschen Informationen bewerten, welche Ziele sie setzen und wie sie ihre Handlungsmöglichkeiten strukturieren. Personen mit hoher Selbstwirksamkeit neigen dazu, Herausforderungen als lösungsorientiert und kontrollierbar zu bewerten, was die kognitive Flexibilität erhöht und Stressreaktionen moduliert.
Motivation und Zielverfolgung
Selbstwirksame Menschen setzen sich herausfordernde, aber realistische Ziele und zeigen erhöhte Persistenz, selbst unter widrigen Bedingungen weiterzumachen. Diese motivationalen Prozesse wirken sich direkt auf Handlungsergebnisse und die Entwicklung individueller Kompetenzen aus.
Emotionale Regulation
Die Überzeugung, bewältigen zu können, beeinflusst affektive Reaktionen: Sie reduziert Angst- und Vermeidungsprozesse und fördert eine konstruktive Nutzung von Emotionen zur Problemlösung. Dies stellt einen zentralen Mechanismus dar, durch den Selbstwirksamkeit zur emotionalen Stabilität beiträgt.
Mehr Selbstwirksamkeit durch Kohärenz
Menschen erleben vor allem dann Selbstwirksamkeit, wenn Herausforderungen als kohärent, also als „stimmig“ angesehen werden. Kohärenz empfinden wir nur dann, wenn wir eine Aufgabe oder Situation als verstehbar, handhabbar und sinnhaft wahrnehmen. Fehlt einer dieser drei Aspekte, ist es viel mühsamer und oft kaum möglich, die Herausforderung zu bewältigen. Deswegen macht es Sinn, dass Sie vor Veränderungen oder neuen Projekten klären, ob Sie diese für sich selbst als kohärent wahrnehmen. Ihre Antwort ist nein? Dann sollten Sie hinterfragen, ob Sie eigene Einstellung oder die Bedingungen so ändern können, dass Kohärenz entsteht.