Konzepte individueller Resilienz
Ungefähr ab Mitte des letzten Jahrhunderts entstand ein verstärktes Interesse an Konzepten zu individueller Resilienz. Unter anderem beschäftigte sich die Entwicklungspsychologin Emmy Werner in einer Langzeitstudie mit der Frage, warum manche Menschen trotz erschwerter Lebensumstände eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit aufweisen (vgl. Werner 1982).
Ursprünglich wurde das Augenmerk auf stabile Persönlichkeitsmerkmale („traits“) gelegt, um resiliente Personen zu identifizieren. Beispielsweise sind nach Emmy Werner Erstgeborene tendenziell resilienter als ihre Geschwister. Aus anwendungsorientierter Sicht ist die individuelle Resilienz jedoch vielmehr durch die „states“ (innere Zustände) und „habits“ (erlernte Verhaltensmuster) beeinflussbar, denn diese sind im Gegensatz zu Traits veränderlich: States können aktiv durch Übung und Bewusstsein gesteuert werden. Beispielsweise steigt die optimistische Grundhaltung von Menschen, wenn sie sich auf positive Ereignisse konzentrieren, oder die Selbstwirksamkeitserwartung wird größer, wenn sie sich ihre eigenen Stärken bewusst machen. Die Habits können durch gezieltes Training, manchmal auch durch eine einzige eindrückliche Erfahrung verändert werden. Oft sind es vermeintlich kleine, eingeschliffene Verhaltensmuster, die uns gar nicht mehr bewusst sind – beispielsweise, ob oder wie wir anderen Menschen bei der Begrüßung in die Augen sehen.
In der aktuellen Forschung wird Resilienz großteils als Person-Umwelt-Konstellation verstanden, d.h. die individuelle Resilienz hängt vom momentanen persönlichen Zustand, von den Umgebungsfaktoren und vielen anderen Einflüssen ab. Einige dieser externen Einflüsse sind veränderbar, andere hingegen nicht.