Definition: Individuelle Resilienz

Resilienz (lat.: resilire: „zurückspringen“, „abprallen“) hat seine ursprüngliche Bedeutung in der Physik und beschreibt die Eigenschaft eines Körpers nach seiner Verformung in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren. In der Psychologie bezeichnet Resilienz seelische Widerstandskraft und die Fähigkeit Krisen gut zu bewältigen. Eine häufig verwendete Metapher ist die des Stehaufmännchens.

Weniger gut geeignet sind dagegen Begriffe wie die “Teflon-Fähigkeit” oder der “Lotusblüten-Effekt”: Wer sich resilient verhält, erlebt trotzdem auch Belastungen, Krisen und Stressoren. Das Ziel, solche Belastungen einfach von sich abprallen zu lassen, ist weder realistisch noch zielführend. Aber: Durch resilientes Verhalten können Menschen erreichen, dass sie nicht so tief fallen bzw. sich nicht so stark “runterziehen” lassen, wenn Unerwünschtes passiert. Und sie erholen sich schneller wieder davon, finden früher zu ihrer alten Form zurück – oder übertreffen diese sogar.

Grafik © Jutta Heller, aus: Heller, J. (Hrsg.) (2018). Resilienz für die VUCA-Welt. Wiesbaden: Springer, S. 8

Meine Kurzdefinition zu Resilienz lautet: SITUATIONSELASTISCH AGIEREN, Herausforderungen meistern – ohne Schaden zu nehmen, sondern daran zu wachsen. Wichtig dabei ist die proaktive Haltung, um frühzeitig potenzielle Krisen wahrzunehmen.

Resilienz wird vorallem im Zusammenhang mit Krise gedacht. Dabei ist der Zeitpunkt relevant:

  • Vor der Krise geht es um genaue Wahrnehmung, bewusstmachen von Risikofaktoren sowie Förderung der Schutzfaktoren.
  • In der Krise geht es vorrangig um Anpassung und Flexibilität.
  • Nach der Krise braucht es Regeneration und Reflexion.

Konzepte individueller Resilienz

Das Interesse am Konzept individueller Resilienz begann u.a. mit einer Langzeitstudie der Entwicklungspsychologin Emmy Werner (vgl. Werner 1982). In dieser wurde untersucht, wieso Menschen trotz erschwerten Lebensumständen eine ausgeprägte Widerstandsfähigkeit aufwiesen. Ursprünglich legte man viel Augenmerk auf stabile Persönlichkeitsmerkmale, sogenannte “traits”, um resiliente Personen zu identifizieren. Zum Beispiel sind nach Emmy Werner Erstgeborene tendenziell resilienter als ihre Geschwister.

Aus anwendungsorientierter Sicht sind jedoch vielmehr die “states” und “habits” interessant, die die individuelle Resilienz beeinflussen: Diese sind veränderlich, und bezeichnen Gewohnheiten, Verhaltensmuster, Fähigkeiten und innere aktuelle Zustände einer Person. States können aktiv durch Übung und Bewusstsein gesteuert werden. Beispielsweise steigt die optimistische Grundhaltung von Menschen, wenn sie sich auf positive Ereignisse konzentrieren, oder die Selbstwirksamkeitserwartung wird größer, wenn sie sich ihre eigenen Stärken bewusst machen. Die “habits”, generalisierte Gewohnheiten, die unser Verhalten steuern, können durch gezieltes Training, aber manchmal auch durch eine einzige eindrückliche Erfahrung verändert werden. Oft sind das vermeintlich kleine, eingeschliffene Verhaltensmuster, die uns gar nicht mehr bewusst sind – beispielsweise, dass/wie wir anderen Menschen bei der Begrüßung in die Augen schauen.

In der aktuellen Forschung wird Resilienz großteils als Person-Umwelt-Konstellation verstanden. Sie hängt also vom momentanen persönlichen Zustand, von den Umgebungsfaktoren und vielen anderen Einflüssen ab. Auch einige dieser externen Einflüsse sind veränderbar, andere dagegen nicht. Daher ist es mir wichtig zu unterscheiden, welche Gegebenheiten wir versuchen können zu ändern und bei welchen keine Änderung möglich ist. Denn je nachdem eröffnen sich unterschiedliche Möglichkeiten damit umzugehen: Lösungen für eine Veränderung der Situation zu finden oder einen neuen Blickwinkel einzunehmen zum Beispiel.

Individuelle Resilienz im Konzept von Prof. Heller

Mein Konzept beruht auf 7+3 Resilienzschlüsseln, die das Ergebnis einer Analyse bisher vorliegender Schlüssel sind. In ihnen sind alle Aspekte zusammengefasst, die individuelle Resilienz ausmachen. Die sieben Resilienzschlüssel sind:

  • Akzeptanz: Die Fähigkeit, vergangene und aktuelle Erfahrungen anzunehmen und sich mit Unabänderlichem abzufinden.
  • Optimismus: Die Fähigkeit, den positiven Dingen im Leben mehr Raum zu geben als den negativen und die eigenen Emotionen kontrollieren zu können, so dass die Reaktionen auf einen Auslöser bewusst gesteuert werden.
  • Selbstwirksamkeit: Auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen sowie die eigenen Bedürfnisse kennen und das Handeln danach ausrichten anstatt sich von äußeren oder inneren kontraproduktiven Prozessen leiten zu lassen.
  • Eigenverantwortung: Die Fähigkeit, die eigenen mentalen und körperlichen Grenzen zu kennen und Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen.
  • Netzwerkorientierung: Die Fähigkeit, stärkende Beziehungen zu Anderen aufbauen und halten zu können.
  • Lösungsorientierung: Die eigenen Werte kennen, bei der Auswahl passender Lösungen sich daran orientieren und den Fokus auf das richten, was gut tut bzw. weiterbringt.
  • Zukunftsorientierung: Die Fähigkeit, kurzfristige Impulse zugunsten längerfristiger Ziele zu kontrollieren und eine klare Vorstellung von der eigenen Zukunft zu haben.

(Mit Klick auf jeden der Schlüssel gelangen Sie zu einer detaillierten Beschreibung im Resilienz-ABC).

Für den Umgang mit den besonderen Bedingungen der modernen (Arbeits-)Welt rücken noch weitere drei Faktoren in den Vordergrund. Die moderne Welt lässt sich am besten mit dem Akronym VUKA beschreiben: sie ist Volatil, Unsicher, Komplex und Ambigue. Daher brauchen wir neue Resilienz-Fähigkeiten, um gut mit dieser Umwelt umgehen zu können. Die drei Resilienzschlüssel sind:

  • Achtsamkeit: Die Fähigkeit, sich und die Umwelt unvoreingenommen wahrzunehmen, ohne voreilige Bewertungen zu treffen.
  • Ungewissheitstoleranz: Gut mit unerwarteten Situationen umgehen können und flexibel auf Neues reagieren.
  • Veränderungsbereitschaft: Die Fähigkeit, sich an Veränderungen anpassen zu können bzw. Veränderungen sogar aktiv zu suchen

Die “states”, auf denen die einzelnen Schlüsseln beruhen, sind alle trainierbar. Das heißt, die individuelle Resilienz kann aktiv und fokussiert auf bestimmte Bereiche gestärkt werden. Im Resilienztraining bauen Sie mit unterschiedlichen Interventionen und Übungen zu den einzelnen Schlüsseln Ihre Resilienz sinnvoll auf.

Individuelle Resilienz messen

Ein Resilienz-Test gibt Aufschluss darüber, wie der Stand einer Person im jeweiligen Moment ist. Im Test werden die 10 Resilienzschlüssel mit ihren verschiedenen Facetten erfasst, so dass im Ergebnis sichtbar wird, wo für eine gezielte Stärkung der Individuellen Resilienz angesetzt werden kann. Die Ergebnisse des Tests dienen einerseits dazu, bereits für die einzelnen Resilienzschlüssel zu sensibilisieren. Andererseits sind sie der Ausgangspunkt für die gezielte Auswahl von Trainings-, Coachings- oder Selbstcoachingsmaßnahmen zur Resilienzentwicklung. Für weitergehende Informationen zum Einsatz des Resilienz-Tests für ein Unternehmen kontaktieren Sie mich bitte direkt: Kontakt.

Känguru als Metapher für individuelle Resilienz

Ich halte für eine besonders gute Metapher resilienten Verhaltens das Känguru: Dem standfesten Känguru fällt es leicht, Krisen unbeschadet zu überstehen und auch in schwierigen Situationen stark zu bleiben. Es reagiert kraftvoll und flexibel auf seine Umgebung. Das Känguru hält auch in schwierigen Situationen die Balance, je nach Situation kann es weit springen oder langsam trippeln. Es hüpft voran, den Blick auf sein Ziel gerichtet – denn rückwärts gehen kann es gar nicht. So schafft es das Känguru problemlos mit Herausforderungen fertig zu werden, auch wenn die Bedingungen mal besser, mal schlechter sind (mehr dazu in meinem Buch: Heller, J. (2017). Das wirft mich nicht um. 4. Aufl., München: Kösel.).

Bücher zu Individueller Resilienz

Inzwischen gibt es zahlreiche Bücher mit guten Empfehlungen um Resilienz – auch im Selbstcoaching – zu entwickeln.

Eine lesenswerte Biografie über eine persönliche Resilienz-Geschichte ist das Buch von Boris Cyrulnik „Rette Dich, das Leben ruft” (2015, Berlin: Ullstein) sowie von Viktor Frankl “…trotzdem Ja zum Leben sagen” (2018, München: Penguin).

Zum Weiterlesen zu individueller Resilienz:

  • Amann, E. G. (2014). Resilienz. Freiburg: Haufe-Lexware.
  • Heller, J. (2013). Resilienz. 7 Schlüssel für mehr innere Stärke. 8. Aufl., München: GU.
  • Heller, J. (2015). Das wirft mich nicht um. Mit Resilienz stark durchs Leben gehen. 4. Aufl., München: Kösel Verlag.
  • Heller, J. (2015). Resilienz. Innere Stärke für Führungskräfte. Zürich: orell füssli.
  • Rampe, M. (2004). Der R-Faktor. Das Geheimnis unserer inneren Stärke. München: Knaur
  • Reivich, K. & Shatté, A. (2002). The Resilience Factor. 7 Keys to finding your inner strength and overcoming life´s hurdles. New York: Broadway Books.
  • Wellensiek, S. K. (2012). Fels in der Brandung statt Hamster im Rad: Zehn praktische Schritte zu persönlicher Resilienz. Weinheim und Basel: Beltz.
  • Werner, E. E. & Smith, R. S. (1982). Vulnerable but invincible: A longitudinal study of resilient children and youth. New York: McGraw Hill.

Die hier genannten und weitere Bücher von Prof. Heller zu Resilienz finden Sie auch hier: https://juttaheller.de/prof-heller/publikationen/.

Weitere Bücher:

  • Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, M. (2014). Resilienz. München: Reinhardt.
  • Gruhl, M. (2010). Die Strategie der Stehauf-Menschen: Krisen meistern mit Resilienz. Freiburg: Kreuz Verlag.
  • Mourlane, D. (2012). Resilienz: Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen. Göttingen: BusinessVillage.
  • Rampe, M. (2010). Der R-Faktor. Das Geheimnis unserer inneren Stärke.
  • Reivich, K. & Shatté, A. (2003). The Resilience Factor. 7 Keys to Finding Your Inner Strength and Overcoming Life’s Hurdles. New York: Broadway Books.
  • Siebert, A. (2005). The Resiliency Advantage: Master Change, Thrive Under Pressure, and Bounce Back from Setbacks. San Francisco: Berrett-Koehler.
  • Wellensiek, S. K. (2012). Fels in der Brandung statt Hamster im Rad: Zehn praktische Schritte zu persönlicher Resilienz. Weinheim und Basel: Beltz.

Was genau interessiert Sie?

  • Jutta Heller und ihr Team bieten Ihnen Inhouse-Maßnahmen rund um individuelle und organisationale Resilienz an.
  • In der Akademie finden Sie zudem Angebote zu Ausbildung, Training, Coaching und Organisationsentwicklung mit dem Fokus Resilienz.

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