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Resilienz wurde anfangs vor Allem bei Kindern erforscht © luis-louro / fotolia

Resilienz bei Kindern und Jugendlichen

Resilienz kann in jedem Lebensalter trainiert werden. Viele Erwachsene haben zwar schon als Kinder Resilienz-Fähigkeiten aufgebaut und im Lauf der Zeit automatisiert. Das gibt ihnen eine gute Startposition, um ihre Resilienz als Erwachsener weiterzuentwickeln. Aber auch, wer als Kind mit schlechten Bedingungen aufwuchs, kann als Erwachsener eine hohe Widerstandskraft entwickeln. Deswegen lohnt sich ein Blick auf Resilienzfaktoren im Kindes- und Jugendalter.

Die Pionierstudie zur Resilienzentwicklung vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter stammt von Emmy Werner, einer amerikanischen Entwicklungspsychologin. Sie begann ihre Forschung zu den Resilienzfaktoren bereits 1955 und legte damit den Grundstein für die Entwicklung des Resilienzkonzepts. Sie stellte fest, dass es Kinder gab, die unter außerordentlich schlechten Bedingungen aufwuchsen und sich trotzdem erstaunlich positiv entwickelten. Resiliente Kinder und Jugendliche haben meist eine feste Bezugsperson auch außerhalb der eigenen Familie. Sie haben eine hohe Leistungsmotivation und ein positives Selbstwertgefühl. Zudem entwickeln sie realistische Zukunftsperspektiven. Dies zeigte sich auch in der Bielefelder Invulnerabilitätsstudie, die mit 147 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren gemacht wurde, die alle in Heimen aufwuchsen (vgl. Zusammenfassung in: Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse 2011).

Die Kauai-Studie von Emmy Werner

Emmy Werners Arbeit liefert Antworten, wie sich Kinder trotz widriger Lebensbedingungen zu selbstständigen und erfolgreichen jungen Menschen entwickeln konnten. Sie begann 1955 eine Langzeitstudie auf der hawaiianischen Insel Kauai und beobachtete über 32 Jahre hinweg 698 Kinder in ihrer Entwicklung von der Geburt bis ins Erwachsenenalter, darunter 201 „high risk children“ (Kinder aus armen Familien, Kinder mit psychisch kranken Eltern und schwierigen Familienverhältnissen). Davon zeigten 72 gute Entwicklungsergebnisse trotz erlebter Widrigkeiten und gingen mit einer positiven, optimistischen und verantwortungsvollen Lebenseinstellung durch’s Leben. Es war ihnen also gelungen trotz risikoreicher Lebensumstände innere Widerstandskraft bzw. Resilienz aufzubauen. Der Grund dafür waren unterschiedliche Schutzfaktoren, die über den Entwicklungsverlauf hinweg miteinander interagieren und sich gegenseitig verstärken. Die Entwicklung dieser Schlüsselfaktoren wird durch folgende Voraussetzungen in der Kindheit begünstigt:

  • Eine enge emotionale Beziehung zu mindestens einem Familienmitglied, wodurch das Gefühl von Zuverlässigkeit und Sicherheit aufgebaut werden kann,
  • das Erleben von Akzeptanz und Respekt aufgrund eigenen freundlichen und offenen Verhaltens sowie des Anpackens und Lösens von Problemen,
  • ein unterstützendes Umfeld in der weiteren Familie, der Schule oder auch in der Nachbarschaft mit Menschen, die die Kinder zu Selbstständigkeit, Vertrauen und Initiative ermutigen.

In der Studie von Werner zeigte sich auch, dass die Herkunft aus Familien mit weniger als 4 Kindern und eher großem Geburtsabstand zwischen den Geschwistern sowie ein einfühlsamer Erziehungsstil der Mutter besonders förderlich waren.

Weitere Studien zu Resilienz bei Kindern

In vielen weiteren Studien wurden Kinder in ihrer psychischen Widerstandskraft unter schwierigen Lebensbedingungen untersucht, so dass die Ergebnisse aus der Kauai-Studie weiter bestätigt wurden. Fasst man die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammen, kann man die Schutzfaktoren einteilen in personale, familiäre und soziale Schutzfaktoren:

1. Personale Ebene

  • Eine positive Lebenseinstellung
  • Gute schulische Leistung
  • Realistische Selbsteinschätzung und Zielorientierung
  • Ausgeprägte Selbstwirksamkeit
  • Soziale Kompetenz

2. Familiäre Ebene

  • Familiäre Stabilität
  • Sichere Bindung/positive Beziehung zu mindestens einer Elternperson
  • Positives Familienklima
  • Positive und unterstützende Geschwisterbeziehung
  • Gute und stabile Beziehung der Eltern
  • Gute sozioökonomischer Status

3. Soziale Ebene

  • Gute Beziehung zu einer erwachsenen Person außerhalb der Familie
  • Kontakt zu sozialen Gruppen
  • Gute Schulqualität und positives Schulklima

Resilienzförderung bei Kindern und Erwachsenen

Manche Resilienzfaktoren liegen außerhalb des eigenen Einflussbereichs – die Beziehung der Eltern beispielsweise kann man nicht ändern. Das Gute an diesem Ergebnis von Resilienzfaktoren aber ist: Die meisten sind durchaus förder- und veränderbar und soziale Ressourcen können fehlende familiäre Schutzfaktoren kompensieren. Daran knüpfen viele Förderprogramme für Kinder und Jugendliche an, die jungen Menschen soziale Bezugspunkte außerhalb eines fragilen familiären Umfelds bieten. Dasselbe gilt auch noch im Erwachsenenalter: Förderliche Bedingungen für Resilienz können jederzeit geschaffen werden. Eine positive Lebenseinstellung, eine hohe Selbstwirksamkeit, ein stabiles Beziehungsnetz kann man durch gezielte Trainings und Übungen auf- und ausbauen; realistische Zielorientierung durch ehrliche Selbsteinschätzung erreichen etc. Es gibt zwar Faktoren in der Kindheit, die einen guten Start ins resiliente Erwachsenenleben einfacher machen – Resilienzentwicklung ist jedoch ein Prozess, der immer weitergeht.

Literatur zu Resilienz bei Kindern

  • Kauai-Studie: Werner, E. & Schmidt, R. (1992). Overcoming the odds. High risk children from birth to adulthood. Ithaca: Cornell University Press.
  • Bielefelder Invulnerabilitätsstudie: Lösel, F. & Bender, D. (1999). Von generellen Schutzfaktoren zu differentiellen protektiven Prozessen: Ergebnisse und Probleme der Resilienzforschung. In G. Opp, M. Fingerle & A. Freytag (Hrsg.), Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz (S. 37-58). München: Reinhardt.
  • Mannheimer Risikokinderstudie: Laucht, M., Esser, G. & Schmidt, M. H. (1999). Was wird aus Risikokindern? Ergebnisse der Mannheimer Längsschnittstudie im Überblick. In G. Opp, M. Fingerle & A. Freytag (Hrsg.), Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz (S. 71-93). München: Reinhardt.

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