Resilienzfaktoren

Für Menschen, Teams und Organisationen gibt es verschiedene unterstützende Variablen, um Herausforderungen, Belastungssituation und Krisen zu handhaben. Solche Variablen – z.B. Fähigkeiten, mentale und materielle Ressourcen, zielführende Verhaltensweisen etc. – werden Resilienzfaktoren oder Resilienzschlüssel genannt. Im Kontext von Forschungsprojekten, Befragungen und bei Maßnahmen zur Resilienz-Stärkung werden unterschiedliche Schlüssel genutzt. Wichtig für einen Vergleich der Resilienzfaktoren bei den verschiedenen AutorInnen ist jedoch nicht die Überschrift, sondern was jeweils unter den Schlüsseln alles subsummiert wird. Beispielsweise heißt der Resilienzschlüssel Zukunftsorientierung bei anderen AutorInnen “Zielorientierung” oder “Zukunftsplanung”, bezieht sich aber inhaltlich auf dieselben Konzepte (Heller 2015, S. 17).

Resilienzfaktoren im Konzept von Jutta Heller

Ich nutze meist den Ausdruck “Resilienzschlüssel”, wie ich ihn auch in meinen Publikationen verwende. Meinem Konzept liegen verschiedene “Sets” von Schlüsseln für individuelle, organisationale und Team-Resilienz zugrunde. In der praxisorientierten Resilienzentwicklung in Organisationen werden je nach Kunden-Projekt relevante Aspekte aus den Sets ausgewählt. Der Schwerpunkt der Maßnahme liegt gemäß der spezifischen Zielsetzung auf individueller, Team- oder organisationaler Resilienz und innerhalb des Sets auf unterschiedlichen Faktoren.

Faktoren individueller Resilienz (7+3):

  • Akzeptanz
  • Optimismus
  • Selbstwirksamkeit
  • Eigenverantwortung
  • Netzwerkorientierung
  • Lösungsorientierung
  • Zukunftsorientierung

Mit besonderer Berücksichtigung der Bedingungen einer VUKA-Welt (Volatilität/Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität), in der wir leben, werden drei weitere Faktoren relevant:

  • Achtsamkeit
  • Ungewissheitstoleranz
  • Veränderungsbereitschaft

Faktoren für Team-Resilienz:

  • Psychologische Sicherheit (u.a. eine gemeinsame Wertebasis, eine positive Fehlerkultur)
  • Umgang mit Unerwartetem (u.a. Gestalter-Haltung, Flexibilität)
  • Verarbeitung kritischer Situationen (u.a. ein konstruktiver Umgang mit Niederlagen, Selbstreflexion)
  • Ganzheitliches Vorgehen/ganzheitliche Sicht (u.a. Balance zwischen Einzel- und Teamleistung, Lösungsorientierung)

Faktoren organisationaler Resilienz:

  • Geteilte Vision und klares Ziel
  • Umfeld verstehen und beeinflussen
  • Effektive und ermutigende Führung
  • Resilienzfördernde Kultur
  • Information und Wissen teilen
  • Verfügbarkeit von Ressourcen
  • Koordinierte Unternehmensbereiche
  • Kontinuierliche Verbesserung fördern
  • Veränderung antizipieren und managen

Vergleich mit anderen Resilienzfaktoren

Insbesondere zu individueller Resilienz finden sich mittlerweile zahlreiche weitere Ansätze. Auch wenn darin unterschiedliche Resilienzfaktoren benannt werden, so sind doch oft deutliche Überschneidungen vorhanden. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Resilienzfaktoren anderer Ansätze, die inhaltliche Überschneidungen mit den 7+3 Resilienzschlüsseln aufweisen.

Konzept J.HellerE. AmannK. DrathM. GruhlReivich & Shatté (dt. Übersetzung von D. Mourlane)Soucek & Pauls (Projekt resilire)S.K. Wellensiek
Quellen zu den anderen Resilienz-Konzepten vgl. Homepage und Bücher der genannten Personen
AkzeptanzAkzeptanzAkzeptanz
OptimismusOptimismusOptimismusEmotionssteuerung, realistischer OptimismusOptimismus, emotionale und positive Umdeutung
SelbstwirksamkeitSelbstregulationMentale Agilität, Energie-ManagementSelbstregulationSelbstwirksamkeitsüberzeugungSelbstwirksamkeitBedürfnisse wahrnehmen, Beziehung zu sich selbst, Musterunterbrechung, Antreiber
EigenverantwortungVerantwortungsübernahmeHaltung, Geist-Körper-AchseVerantwortungsübernahmeKausalanalysePersönlicher Energiehaushalt, Lebensrucksack entlasten, Glaubenssätze, Grenzen setzen
NetzwerkorientierungBeziehungsgestaltungAuthentische BeziehungenBeziehungsgestaltungEmpathieBeziehungen zu anderen, Konflikte klären
LösungsorientierungLösungsorientierungSinnLösungsorientierungFokussierte UmsetzungKlarheit in den Werten, Perspektivenwechsel
ZukunftsorientierungZukunftsgestaltungZukunftsgestaltungImpulskontrolle, ZielorientierungUmfassende PlanungVision
AchtsamkeitAchtsamkeitAchtsamkeit
UngewissheitstoleranzImprovisation
Veränderungsbereitschaft
AndereBiographie, PersönlichkeitEnneagramm, Aloha SpiritYoga, Thai Chi

Die Resilienz-Ansätze anderer AutorInnen sind hier sehr knapp dargestellt um den Rahmen nicht zu sprengen. Vertiefende Darstellungen finden sich auf den jeweiligen Webseiten und Büchern der genannten Personen. Die Tabelle gibt natürlich nur meine persönliche Einschätzung der Resilienzfaktoren aus anderen Ansätzen wieder. Meiner Ansicht nach lassen sich die einzelnen Faktoren jedoch den 7+3 Schlüsseln aufgrund der folgenden Aspekte gut zuordnen:

Akzeptanz ist die Fähigkeit, vergangene und aktuelle Erfahrungen anzunehmen und sich mit Unabänderlichem abzufinden.

Optimismus ist die Fähigkeit, den positiven Dingen im Leben mehr Raum zu geben als den negativen und die eigenen Emotionen kontrollieren zu können, so dass die Reaktionen auf einen Auslöser bewusst gesteuert werden.

Selbstwirksamkeit beinhaltet, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen sowie die eigenen Bedürfnisse zu kennen und das Handeln danach auszurichten anstatt sich von äußeren oder inneren kontraproduktiven Prozessen leiten zu lassen.

Eigenverantwortung ist die Fähigkeit, die eigenen mentalen und körperlichen Grenzen zu kennen und Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen.

Netzwerkorientierung ist die Fähigkeit, stärkende Beziehungen zu Anderen aufbauen und halten zu können.

Lösungsorientierung bedeutet, die eigenen Werte zu kennen, bei der Auswahl passender Lösungen sich daran zu orientieren und den Fokus auf das zu richten, was gut tut bzw. weiterbringt.

Zukunftsorientierung ist die Fähigkeit, kurzfristige Impulse zugunsten längerfristiger Ziele zu kontrollieren und eine klare Vorstellung von der eigenen Zukunft zu haben.

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, sich und die Umwelt unvoreingenommen wahrzunehmen, ohne voreilige Bewertungen zu treffen.

Ungewissheitstoleranz bedeutet, gut mit unerwarteten Situationen umgehen zu können und flexibel auf Neues zu reagieren.

Veränderungsbereitschaft ist die Fähigkeit, sich an Veränderungen anpassen zu können bzw. Veränderungen sogar aktiv zu suchen.

Auf die einzelnen Resilienzfaktoren für Team-Resilienz und organisationale Resilienz wird im Detail in den Beiträgen Definition: Organisationale Resilienz und Definition: Team-Resilienz im Resilienz-ABC eingegangen.

Resilienzfaktoren in Organisationen

In Organisationen gehen individuelle Resilienz, Team-Resilienz und organisationale Resilienz Hand in Hand. Z.B. ist eine resiliente Organisation ohne resiliente MitarbeiterInnen kaum denkbar – andererseits machen viele resiliente Individuen noch lange keine resiliente Organisation. In vielen Situationen kann es sinnvoll sein, den momentanen Stand der Resilienz-Stärke mit einem Resilienz-Test zu erfragen und daraus abzuleiten, welche Resilienzfaktoren bei folgenden Maßnahmen im Vordergrund stehen sollten. Zudem macht der Test es möglich, einzelne Faktoren besonders zu gewichten – für mehr Information zum Resilienz-Test kontaktieren Sie mich unter: https://juttaheller.de/kontakt/

Zum Weiterlesen:

  • Heller, J. (2017). Stabil im instabilen Umfeld. In managerSeminare, Heft 236, November 2017, S. 36-42
  • Heller, J. (2018). Resilienz. 7 Schlüssel für mehr innere Stärke. München: GU, 7. Aufl.

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  • Jutta Heller und ihr Team bieten Ihnen Inhouse-Maßnahmen rund um individuelle und organisationale Resilienz an.
  • In der Akademie finden Sie zudem Angebote zu Ausbildung, Training, Coaching und Organisationsentwicklung mit dem Fokus Resilienz.

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