Selbst-Verantwortung ©-tanawatbig

Selbst-Verantwortung fürs Glück

Eine Frau berichtet: „Seit einem Jahr bin ich mit meinem Mann hier in Shanghai und nun bin ich schwanger. Ich hatte zuvor immer gearbeitet und komme mit der einsamen Zeit alleine zuhause einfach nicht zurecht. Zusätzlich fange ich an, meinem Partner seine Freizeit und Arbeitstätigkeit übel zu nehmen und reagiere eifersüchtig. Mit meinen Freunden und früheren Kollegen in Berlin habe ich viel Kontakt. Da mir im Juli die Geburt bevorsteht, ist eine Änderung meiner Situation momentan irgendwie unmöglich. Ich würde am liebsten in einem Jahr zurück gehen und wieder eine treibende, gestaltende Tätigkeit annehmen. Aber mein Mann stellt sich den Umzug so in 3-5 Jahren vor. Für mich ist das alles in allem eine schwere und kaum zu überwindende Zukunft.“

Das hört sich ziemlich verzwickt an. Dort wo sie ist, will Sie nicht wirklich sein. Dort wo Sie sein will, kann sie gerade nicht sein. Das was Sie tun will, kann sie aktuell nicht tun. Das was sie tun könnte, ist ihr (anscheinend) nicht bewusst …

Von Jens Corssen gibt es den Satz: „Dort wo ich bin, da will ich sein.“ Dieser Satz beinhaltet ein Akzeptieren dessen was ist sowie eine Entscheidung für das Greifbare anstelle eines Sehnens nach einer anderen (früheren) Situation. Von außen betrachtet könnte man die Situation auch anders beschreiben:

  • Sie hat bis zur Geburt Ihres Kindes frei verfügbare Zeit.
  • Sie lebt in einer faszinierenden Stadt.
  • Sie muss nicht arbeiten, da sie über ihren Mann abgesichert ist.
  • Sie könnte tun, worauf sie Lust hat.
  • Viele würden diese Frau durchaus beneiden, um die freie Zeit und die Möglichkeiten in solch einer Stadt …

Im Coaching lud ich sie zu einem Perspektivenwechsel mit der Frage ein: „Mal anders herum betrachtet … was an Ihrer aktuellen Situation finden Sie gut?

 

Der Hintergrund für meine Frage: Ich bin überzeugt, dass wir immer die Wahl haben, wie wir uns zu einer Situation stellen. Im Rahmen der gesellschaftlichen Regeln und unter Berücksichtigung unseres Gewissens können wir selbst entscheiden, was wir tun oder nicht tun wollen. Dies ist natürlich nur möglich, wenn ein Mensch Handlungsfreiheit hat, das heißt er/sie hätte aufgrund der eigenen Entscheidung auch anders handeln können. Die Frau im Beispiel hatte sich entschieden zusammen mit ihrem Mann nach Shanghai zu gehen. Sie hat jedoch wenig dafür getan, um sich von ihrem bisherigen Leben zu lösen und dort anzukommen. Folglich ist sie mit-verantwortlich für ihre Situation und für ihren inneren Zustand.

Vor etlichen Jahren war ich für 1,5 Jahre in Venezuela. Die ersten drei Monate habe ich in Caracas gelebt und danach auf Isla Margarita. Ich wollte dort wirklich sein und habe mir die Stadt quasi „einverleibt“.

  • Ich war in allen Museen der Stadt.
  • Ich war in allen Parks.
  • Ich habe diverse Stadtteile genauer erkundet.
  • Ich habe Second Hand Läden abgeklappert.
  • Ich habe die Zeitung durchforstet nach Musikveranstaltungen, wo ich dann hin bin.
  • Ich bin zur Uni und habe Leute angequatscht.
  • Ich bin zum Goethe-Institut, um an Veranstaltungen teilzunehmen. Und um mir Tipps bzgl. Wohnen und letztlich eine Adresse für eine WG zu holen.
  • Ich habe Deutsch unterrichtet.
  • Ich habe Spanischunterricht genommen.
  • Durch die Aktivitäten habe ich natürlich etliche Menschen kennengelernt und hatte spannende Begegnungen.

Egal wo Sie leben – hier in Deutschland oder in einem anderen Land – fragen Sie sich, an welchen alten Situationen oder Themen Sie noch hängen, was Sie aber aktuell nicht leben können. Hadern Sie nicht länger damit, sondern entscheiden Sie sich konsequent für verabschieden und loslassen. Fokussieren Sie sich auf Ihre aktuelle Situation.

Fragen Sie sich, worauf Sie Lust hätten? Was wollen Sie entdecken? Was wollen Sie anfangen? Lassen Sie sich ein.

Mein Coachee aus obigem Beispiel konnte schließlich sagen: „ich werde die Zeit, die ich sowieso entschieden habe, in Shanghai zu bleiben, nach bestem Können nutzen und genießen. Bisher hatte ich nur gekämpft, um mein „altes Leben“ nicht zu verlieren (also meine Freundschaften und sozialen Netzwerke) und habe mich um mein „neues Leben“ gar nicht gekümmert. Jetzt bin ich zuversichtlicher und werde anfangen, mich um mein „Jetzt“ zu sorgen, es so gut als irgend möglich schön und sinnvoll zu gestalten und aufhören dagegen anzukämpfen. Und wenn ich dann wieder heimziehen kann, blicke ich bestimmt auf eine schöne Zeit zurück.“

Sie können sich immer wieder neu entscheiden, was für Sie das Richtige ist. Letztlich geht es darum, dass Sie sich glücklich fühlen, dass Sie ein erfülltes Leben leben können. Daher empfehle ich Ihnen folgende kleine Übung:

Nehmen Sie Ihr aktuelles Lebensalter als Maßeinheit. Was wollen Sie sich vornehmen, was sind Ihre Ziele, um sich glücklicher zu fühlen?

Für die nächsten x Minuten
X Stunden
X Tage
X Wochen
X Monate
X Jahre

  • Falls Sie in einer Beziehung leben, diskutieren Sie Ihre Ziele mit Ihrem Partner/Ihrer Partner. Suchen Sie nach einer Schnittmenge.
  • Sie sind nicht Opfer anderer Menschen oder der Umstände, sondern Sie haben Wahlmöglichkeiten. Sie können je nach Situation immer wieder neu prüfen, was der beste Weg ist, um Ihre Wünsche und Ziele zu verwirklichen.
    Ihr Wohlbefinden hängt von Ihnen ab und nicht davon wie sich andere Ihnen gegenüber verhalten. Sie entscheiden mit Ihren Überzeugungen, die Sie von sich haben, darüber, wie Sie sich fühlen. Und Ihre Gefühle können Sie selbst steuern.
  • Sie sind in Ihrem Tun nicht von anderen und deren Zustimmung abhängig. Sie können entscheiden, was Sie für richtig halten. Sie können Ihre Kriterien definieren, die Sie in Ihrem Handeln leiten. Die Frage „Who drives the bus?“ können Sie dann überzeugend mit „Ich“ beantworten.
0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.