Freundschaft ist ein wichtiger Teil der Netzwerkorientierung © ViewApart / fotolia

Vom Glueck der Freundschaft

„Du, ich bin jetzt für 4 Wochen in Italien.“ Das geht bei einer Freundschaft. Aber bei einer Liebesbeziehung eher nicht. So startete Wilhelm Schmid seinen Vortrag beim TAM-Lernkongress in Berlin. Er stellte sein Büchlein „Vom Glück der Freundschaft“ vor.

Freundschaft ist Teil des Resilienzschlüssels Netzwerkorientierung. Diverse Kontakte, Beziehungen und natürlich Freundschaften gilt es aufzubauen, um „im Fall der Fälle“ Unterstützung für sich in Anspruch nehmen zu können.

Freundschaft ist eine freie Bindung, die aber auch Pflege braucht. Nach Schmid geht ein Leben ohne Liebe, aber ein Leben ohne Freundschaft – vor allem zu sich selbst – geht nicht… vorausgesetzt wir wollen ein schönes, erfülltes, bejahenswertes Leben. Freundschaft zu sich und anderen ist demnach ein wichtiger Beitrag für ein resilientes Leben.

Selbstcheck zu Freundschaft

Bevor Sie weiterlesen bitte ich Sie, sich ein paar Gedanken zu machen: Wer ist Ihr bester Freund, Ihre beste Freundin? Wenn es nicht nur eine/r ist, wie viele beste Freunde/Freundinnen haben Sie? Wie pflegen Sie diese Freundschaften? Und wie halten Sie es mit guten Freunden? Sicher haben Sie auch noch Sportsfreunde, Geschäftsfreunde und evtl. auch Parteifreunde… Was lieben und genießen Sie in diesen Freundschaften? Was fehlt Ihnen möglicherweise, wenn solche Freundschaften auseinander gehen?

Fünf Arten von Freundschaft

Erstens gibt es die Lust-Freundschaft. Menschen wollen zusammen genießen, etwas zusammen unternehmen, entspannte Gespräche führen, Abwechslung und Spaß miteinander haben. Die Beziehungen bleiben meist an der Oberfläche. Kritische, persönliche Themen werden eher selten vertieft.

Zweitens gibt es die Nutzen-Freundschaft. Man versteht sich gut, kann sich gegenseitig unterstützen, unkompliziert miteinander kommunizieren, gute Geschäfte miteinander machen, sich gegenseitig empfehlen. Typische Aussage ist bei der Trennung solcher Freundschaften: „Das hat mir nichts mehr gebracht.“

Drittens gibt es die wahre Freundschaft. Bei einer solchen Beziehung sind sich die Menschen zugetan, sie nehmen Anteil, muten sich auch gegenseitig zu, und sie erleben Lust und Nutzen in ihrer Freundschaft. Die Pflege einer solchen Beziehung braucht jedoch Zeit. Sie trägt und währt in der Regel lange Zeit.

Viertens gibt es virtuelle Freundschaften. Die Kontaktmöglichkeiten sind unbegrenzt. Der Schutzraum des Virtuellen bietet gerade auch für hässliche oder behinderte Menschen viele Kontaktchancen, die ihnen sonst aufgrund von Berührungsängsten nicht so möglich wären – so Schmid. Virtuelle Kontakte sind primär Nutzen- und Lust-Freundschaften, z.B. Facebook-Gruppen von Studierenden, Xing-Gruppen von HR-Verantwortlichen. Wahre Freunde können sich dieser Medien natürlich auch zunutze machen.

Sinn und Glück, dazu trägt wahre Freundschaft bei. Da ist jemand, der einem wichtig ist. Wir haben Interesse für einander. Dabei lebt jeder in seiner Welt und diese Welten können dann in Gesprächen „kurzgeschlossen“ werden. Der Freund/die Freundin nimmt uns wahr, sieht Verändertes und Entwicklung der Persönlichkeit. An der Stimme erkennt er/sie, wie es uns gerade geht. Auch Unangenehmes und Ängste haben in einer solchen Freundschaft Platz.

Freundschaft hat jedoch ein großes Problem: Sie leidet immer wieder an mangelnder Aufmerksamkeit. Auch wachsende Unterschiede können sie gefährden.

Die wichtigste Freundschaft ist daher die Freundschaft mit sich selbst. „Wer mit sich selbst im Reinen ist und sich selbst mag, der kann auch Andere mögen und für sie da sein.“ Oft frage ich in meinen Trainings die TeilnehmerInnen: „Können Sie mit voller Überzeugung sagen, ICH MAG MICH?“ Das können leider die wenigsten und auch ich habe Tage, an denen ich einige Einschränkungen mache…

Die Art unserer Beziehung zu uns selbst, zeigt sich besonders in unseren Selbstgesprächen. Diese variieren von kritisch bewertend bis hin zu wohlwollend verzeihend. Allerdings überwiegend bei vielen Menschen die kritischen Kommentare.

Selbstbesinnung zu Freundschaft mit sich selbst und anderen

Wilhelm Schmid schlägt eine Selbstbesinnung anhand von 7 Fragen vor:

  1. Was sind Ihre wichtigsten Beziehungen der Liebe und der Freundschaft?
  2. Was sind die wichtigsten Erfahrungen in Ihrem Leben, an die Sie sich erinnern wollen?
  3. Was ist Ihr Traum, Ihr Lebensziel? Klären Sie für Ihr Leben „wohin wollen Sie, wofür und wozu wollen Sie das?
  4. Was sind Ihre wichtigsten Werte, die Sie realisieren möchten? (Freiheit, Bindung, Risiko, Sicherheit…)
  5. Welche Gewohnheiten wollen Sie pflegen, welche Charakterzüge stärken?
  6. Was sind Ihre Ängste, Verletzungen, Traumata, die alle auch zu Ihrem bisherigen und aktuellen Leben dazu gehören?
  7. Was ist das Schöne, an dem ich mich in meinem Leben orientieren kann? (schöne Momente, Anblicke, Gespräche, Gedanken, Musik…)

Menschen erzählen sich gerne ihre Lebens-Geschichte. Erzählen Sie sich mit obigen Fragen Ihre eigene Geschichte. Am besten schreiben Sie die wichtigsten Eckpunkte auf oder halten Sie diese bildlich für sich fest. So vergewissern Sie sich Ihrer selbst. Sie gestalten Ihr Lebensbild. Sie freunden sich mit sich selbst an, auch mit den Seiten Ihrer Persönlichkeit, die Sie vielleicht – bisher – nicht so mochten.

Seien Sie wohlwollend zu sich, so wie zu einem guten Freund!

Zusammenfassung des Büchleins „Vom Glueck der Freundschaft“ von Wilhelm Schmid, erschienen 2014 im Insel Verlag Berlin.

2 Kommentare
  1. A sagte:

    Danke für die interessanten Vorschläge. Hinweis bei Nutzenfreundschaft: Schreibfehler? “Das hat mir nichts mehr gebraucht.”??

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