Perspektivwechsel: Probleme mit Abstand betrachten
In schwierigen Situationen neigen Menschen dazu, sich stark auf ein Problem zu konzentrieren. Gedanken kreisen immer wieder um dieselbe Frage oder um mögliche negative Konsequenzen. So ziehen wir uns selbst emotional nach unten – nichts geht voran. Wenn wir gestresst und unsicher sind, fehlt uns meist der nötige Abstand, um souverän und klar zu handeln.
In solchen Momenten kann ein Perspektivwechsel hilfreich sein. Wer einen Schritt zurücktritt und eine Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, entdeckt häufig neue Handlungsmöglichkeiten.
Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel gehört zu den wichtigen Kompetenzen resilienter Menschen. Sie hilft dabei, Herausforderungen flexibler zu betrachten und festgefahrene Denkmuster zu verändern.
Warum Perspektivwechsel hilfreich sind
Wenn Menschen lange über ein Problem nachdenken, entsteht leicht eine einseitige Sichtweise. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann stark auf Risiken, Schwierigkeiten oder mögliche Fehler. Ein Perspektivwechsel kann helfen, diese gedankliche Enge zu erweitern. Indem wir eine Situation aus einer anderen Sicht betrachten, entstehen häufig neue Ideen oder Lösungen.
Diese Fähigkeit wird in der Psychologie auch als kognitive Flexibilität bezeichnet – also die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Denkweisen zu wechseln.
Perspektivwechsel als Teil von Resilienz
Resiliente Menschen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie schwierige Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten können.
Ein Perspektivwechsel ermöglicht es, Abstand zu gewinnen und emotionale Reaktionen besser zu regulieren. Dadurch fällt es häufig leichter, konstruktiv mit Herausforderungen umzugehen und neue Lösungswege zu erkennen.
Selbstcoaching: Perspektivwechsel üben
Eine einfache Übung kann helfen, bewusst einen Perspektivwechsel einzunehmen. Eine effektive, kreative und simple Strategie, neue Lösungsansätze zu erhalten und angemessene Schlüsse zu ziehen, ist eine gedanklich dritte Position, die sog. Meta-Position, zum Problem einzunehmen. Dies gelingt am besten, indem Sie sich vorstellen, dass Sie sich selbst von außen mit Abstand betrachten. Oder schauen Sie auf sich von ganz weit oben, als ob Sie von einer Wolke auf sich hinabblicken. Betrachten Sie aus diesen Perspektiven systematisch Ihr Fühlen, Ihr Denken und Ihr Handeln.
Folgende Aspekte sollen Ihnen helfen, übersichtliche und dennoch vielseitige Möglichkeiten zu erhalten:
Schritt 1: Problem beschreiben – objektiv und neutral
Sammeln Sie Informationen zu dem Problem, ohne sie zu bewerten. Machen Sie sich frei von Emotionen und Urteilen (auch der Versuch gilt!). Verschaffen Sie sich vollkommen unabhängig von Ihrer persönlichen Meinung einen Überblick durch Daten und Fakten.
Schritt 2: Subjektives Empfinden
Nehmen Sie alle Gefühle wahr, die in Ihnen sind. Lassen Sie Ihren Bauch sprechen und betrachten Ihre Emotionen wie Angst, Freude, Wut, Hoffnung, Frustration usw. Erforschen Sie wohlwollend Ihre Gefühle. Achten Sie bitte auf den Unterschied: „Die Gefühl haben mich… oder: ich habe ein Gefühl.“ (frei nach K. Eidenschink)
Prüfen Sie auch mal, was an diesen Thesen dran ist:
- „Ich mache mir Gefühle.“Z.B. könnte im eigenen inneren Dialog eine Seite in uns massiv als Kritiker agieren, so dass eine andere Seite in uns Angst bekommt.
- „Aktuelle Probleme sind meist nur der Auslöser, um ein erlerntes Muster abzurufen, das in unserer Vergangenheit hilfreich war, um mit einer Situation zurecht zu kommen.“ Hier könnten Sie sich selbst fragen: Wie kommt es, dass ich z.B. mit Angst reagiere, wenn jemand anderer meint, dass ich etwas falsch gemacht habe?
Schritt 3: Objektiv negative Aspekte mit Abstand betrachten
Finden Sie die objektiv negativen Aspekte des Problems bzw. der Fragestellung. Dazu zählen Bedenken, Zweifel, Risiken u.ä. Tragen Sie sachliche Argumente zusammen, die gegen bspw. ein Projekt, eine Entscheidung sprechen oder die eine Fragestellung verneinen.
Schritt 4: Objektiv positive Aspekte mit Abstand betrachten
Entdecken Sie das objektiv Positive, indem Sie Aufgaben, Chancen oder Vorzüge finden, aber auch realistische Hoffnungen und erwünschte Ziele festhalten. Formulieren Sie alle Gesichtspunkte, die für eine Entscheidung, ein Projekt usw. sprechen.
Schritt 5: Neue Perspektiven entwickeln
Setzen Sie Ihre Kreativität ein und suchen Sie nach Alternativen. Schauen Sie über Ihren Tellerrand. Sie können Kreativitätstechniken nutzen, über provokante, verrückte oder (nur auf den ersten Blick) unrealistische Ideen nachdenken – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nutzen Sie Ihr Netzwerk als Ratgeber oder Kolleg:innen oder Ihre Führungskraft. Fragen Sie sich, was würde bspw. Walt Disney, Astrid Lindgren bzw. ihre Heldin Pippi Langstrumpf Ihnen raten.
Schritt 6: Meta-Ebene einnehmen, Abstand gewinnen
Kontrollieren und organisieren Sie alle Gefühle und Denkprozesse, die Sie bei den Punkten 1 bis 5 gesammelt haben. Begeben Sie sich auf die Meta-Ebene, nehmen Sie mit einem Helikopterblick Ihre Gefühle, Ihre Gedanken, Ihr Verhalten, Ihre Ideen wahr. Tragen Sie die Resultate zusammen und treffen Sie eine Entscheidung für Ihr zukünftiges Handeln.
Auf diese Weise gelingt Ihnen flexibles Umdenken – eine Fähigkeit, die Sie trainieren können. Ich wünsche Ihnen konstruktive Lösungsansätze!
Fazit
Ein Perspektivwechsel kann helfen, Probleme mit mehr Abstand zu betrachten und neue Lösungswege zu entdecken.
Wer lernt, Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, entwickelt mehr gedankliche Flexibilität und kann Herausforderungen häufig konstruktiver begegnen.
Diese Fähigkeit ist ein wichtiger Bestandteil von Resilienz und persönlicher Entwicklung.




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