Coaching-Tipp: Lebenstempo wählen
Jeder Mensch hat ein eigenes Lebenstempo. Manche arbeiten gerne schnell und dynamisch, andere bevorzugen ein ruhigeres und überlegtes Vorgehen. Problematisch wird es oft dann, wenn das persönliche Lebenstempo nicht zum Tempo der Umgebung passt. Genau in solchen Situationen entstehen häufig Zeitdruck, Überforderung und Stress.
Sich mit dem eigenen Lebenstempo bewusst auseinanderzusetzen, kann daher ein wichtiger Schritt sein, um die eigene Resilienz und Arbeitszufriedenheit zu stärken.
Lebenstempo aus psychologischer Perspektive
Der Psychologieprofessor Robert Levine hat untersucht, wie unterschiedlich Menschen und Kulturen mit Zeit umgehen. Seine Forschung zeigt, dass verschiedene Gesellschaften sehr unterschiedliche Lebens-Tempi entwickeln (Levine, R. (1999): Eine Landkarte der Zeit. München: Piper). Dies bemerkt man oft bei länderübergreifenden Projekten oder im Urlaub, dass Zeitabläufe woanders anders getaktet sind als wir es gewohnt sind.
Darüber hinaus besitzt jedoch auch jeder Mensch ein individuelles Lebenstempo, das sich aus Persönlichkeit, Gewohnheiten und Arbeitsstil ergibt. Wenn dieses persönliche Tempo mit den Anforderungen der Umgebung übereinstimmt, fühlen sich Menschen häufig produktiv und zufrieden.
Stimmen persönliches Lebenstempo und Umfeldtempo dagegen nicht überein, entsteht häufig das Gefühl von Zeitdruck oder Überforderung.
Das passende Lebenstempo im Flow erleben
Ein gutes Beispiel für ein stimmiges Lebenstempo ist der sogenannte Flow-Zustand. Der Begriff stammt von Mihaly Csikszentmihalyi: Wenn Menschen im Flow arbeiten, empfinden sie ihr Arbeitstempo als genau passend. Sie sind konzentriert, engagiert und verlieren häufig sogar das Gefühl für Zeit.
In diesem Zustand stimmen Anforderungen und persönliche Fähigkeiten optimal überein – das eigene Lebenstempo passt zur Aufgabe.
Wenn das Lebenstempo nicht passt
Stress entsteht nach Levine häufig nicht nur durch eine hohe Arbeitsmenge, sondern durch ein Missverhältnis zwischen eigenem Lebenstempo und Umgebungstempo. Wenn Menschen dauerhaft schneller arbeiten müssen, als es ihrem natürlichen Tempo entspricht, entsteht langfristig Überforderung. Umgekehrt kann ein sehr langsames Umfeld auch Frustration oder Langeweile erzeugen.
Resilienz bedeutet unter anderem, solche Passungsprobleme wahrzunehmen und bewusst damit umzugehen. Resiliente Menschen reflektieren ihr eigenes Lebenstempo und entwickeln Strategien, um ihre Energie langfristig zu erhalten.
Resilienz beschreibt generell die Fähigkeit, Belastungen und Veränderungen so zu bewältigen, dass psychische Stabilität erhalten bleibt.
Coaching-Fragen zum eigenen Lebenstempo
Wenn Sie Ihr eigenes Lebenstempo besser verstehen möchten, können folgende Fragen hilfreich sein:
- In welchen Situationen arbeite ich besonders gerne schnell?
- Wann empfinde ich mein Tempo als stimmig?
- In welchen Situationen fühle ich mich gehetzt?
- Wo würde mir ein langsameres oder schnelleres Lebenstempo guttun?
Das eigene Lebenstempo bewusst gestalten
Das eigene Lebenstempo lässt sich nicht immer vollständig an äußere Anforderungen anpassen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, bewusster damit umzugehen. Nutzen Sie diese 5 Schritte für ein stimmigeres Lebenstempo:
- In welchem Lebensbereich – z.B. Beruf, Privat, Hobby – würden Sie Ihr Tempo gerne ändern?
- Listen Sie für den gewählten Lebensbereich Ihre zentralen Tätigkeiten auf. Die Liste kann durchaus sieben, acht oder mehr Aspekte beinhalten.
- Wählen Sie nun für jeden Aspekt ein Tier aus, das diesen Aspekt für Sie repräsentiert. Notieren Sie sich, wie sich dieses Tier fortbewegt und wie sich sein jeweiliges Grundtempo für Sie anfühlt.
- Entdecken Sie bei den Tempobeschreibungen Ähnlichkeiten oder Unterschiede? Wo fühlt sich das Tempo noch nicht stimmig an?
- Finden Sie Ihren Rhythmus, in dem sich alle Tiere harmonisch miteinander bewegen können. Wenn einzelne Aspekte stören oder Sie aus dem Takt bringen, entwickeln Sie Ideen, wie Sie diese Bereiche verändern können.
Klar, in Deutschland leben wir in einer sehr schnell getakteten Kultur und nicht immer können wir uns ein passendes Umgebungs-Tempo einfach selbst schaffen. Aus Ihrem persönlichen Tempo erklärt sich aber vielleicht, warum Sie bei bestimmen Aufgaben mit Feuereifer dabei sind und warum es bei anderen immer wieder hakt! Wenn Sie das erkannt haben, nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume voll aus: Planen Sie lang- oder kurzfristiger, setzen Sie Grenzen und sagen Sie auch mal Nein zu neuen Aufgaben. Nur Ihrer Kreativität brauchen Sie bei der Neuorganisation Ihrer Lebensbereiche keine Grenzen zu setzen!
Dieser Coaching-Tipp stammt (verkürzt und angepasst) aus meinem Buch: „So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team“, das Sie hier bestellen können: Publikationen




