Mit Zukunftsmut in 2020 starten

Mit Zukunftsmut ins Jahr 2020 starten

Wenn es ein Rezept für ein perfektes Neues Jahr gäbe, dann sollte auf jeden Fall eine große Prise Zukunftsmut enthalten sein. Zukunftsmut setzt sich zusammen aus Zuversicht, Selbstwirksamkeit, Optimismus und Resilienz. Ich wünsche Ihnen, dass Sie zwischen aktiv gestalten und sich einfach sein lassen eine passende Balance finden in 2020!

Zukunftsmut-ige Gedanken

  • “Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.” Eleanor Roosevelt (amerikanische Politikerin, kämpfte für die Menschenrechte, 1933-1945 First Lady der USA, 1884-1962)
  • “Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.” Antoine de Saint-Exupery (französischer Schriftsteller und Pilot 1900-1944)
  • “Was man heute als Science Fiction beginnt, wird man morgen vielleicht als Reportage zu Ende schreiben müssen.” Norman Mailer (amerikanischer Schriftsteller 1923-2007)
  • “Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” Dietrich Bonhoeffer (deutscher Theologe, aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, 1906-1945)

An solchen klugen Gedanken können wir uns für unsere Lebensgestaltung orientieren. Denn: Wir können nicht wissen, wie das neue Jahr wird. Wir können Einiges planen – z.B. Projekte, Urlaube, freie Wochenenden, Karriere und Weiterbildungen -, aber Vieles ist einfach nicht planbar: Krankheiten, Veränderungen durch andere, Konflikte, Enttäuschungen, Umweltereignisse, Wahlergebnisse. Solche Aspekte können wir nur durch eigene Beiträge und Aktivitäten versuchen zu beeinflussen. Und vielleicht erleben wir ja auch viele schöne Überraschungen.

Welche Gedanken haben Sie, wenn Sie an das Jahr 2020 denken? Welche Gefühle entstehen in Ihnen? Welche Themen empfinden Sie als dringend und was sind Sie bereit dafür zu tun?

Zukunftsmut-ig mit Zuversicht und Hoffnung

Kann das Jahr 2020 hoffnungsvolle Zeiten bieten? Ich meine ja, aber es kommt auf uns an und wie wir unsere Lebenszeit und unser Lebensumfeld gestalten. Hoffnung und Zuversicht sind gerade im Zusammenhang mit individuellen und gesellschaftlichen Belastungssituationen und Krisen relevant. Allerdings geht es weniger um ein passives Abwarten, dass sich hoffentlich alles zum Guten ändert, sondern gefordert ist konkretes Handeln. Drei Elemente sind nach Charles R. Snyder (Vertreter der Positiven Psychologie) relevant für Hoffnung:

  • Die Fähigkeit, Ziele zu definieren und Wege hin zum Ziel finden zu können,
  • die Zuversicht, diese Ziele erreichen zu können sowie
  • die Motivation, alles für die Zielerreichung tun zu wollen.

Eva Müller (2014, S. 297) bezeichnet die Fähigkeit, Ziele und Wege zum Ziel zu definieren als Waypower und die Motivation zur Zielerreichung als Willpower. Die Begriffe Waypower und Willpower klingen für mich motivierend und kraftvoll. Wenn Sie etwas mit Power – also mit voller Kraft – angehen, sich auf den Weg machen und dann noch mit Elan und Durchhaltevermögen dranbleiben, können Ziele richtig attraktiv und lohnend werden.

Hilfreich ist im Kontext von Waypower, dass Sie mehrere alternative Lösungswege entwickeln und gleich zu Beginn mögliche Hindernisse mitdenken. Prüfen Sie, welche Fähigkeiten und Ressourcen Sie für Ihre Lösungswege benötigen. Antizipieren Sie die erreichte Zielsituation mit der “tue so als ob”-Strategie, um Attraktivität und Motivation für die Umsetzung aufzubauen.

Wenn Sie nun an die “Wahrhaftigkeit Ihrer Träume” denken, was könnte ein großes und wichtiges Ziel für Sie in 2020 sein? Wie sind Ihre Waypower und Ihre Willpower entwickelt, so dass Sie an Ihren Zielen dranbleiben können?

Zukunftsmut-ig mit Selbstwirksamkeit

Wenn Sie an 2020 denken: welche Aufgaben stehen bei Ihnen an, die Sie bisher vor sich her geschoben haben, wo Sie mit zu wenig Biss drangegangen sind, wo Sie an sich selbst zweifeln und dann “gute” Argumente dagegen sich vorgegaukelt haben?

Selbstwirksamkeitserwartung ist ein Konzept aus der sozial-kognitiven Theorie von Bandura und beinhaltet die subjektive Erwartung, Anforderungssituationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Diese positive Erwartungshaltung bestimmt die emotionalen Reaktionen, Gedanken und Verhalten einer Person im Hinblick auf Anforderungssituationen.

Auch ich habe meine Lernfelder: Lange Zeit hatte ich mich gegen selbstproduzierte Lern-Videos gewehrt, weil ich mich nicht traute, weil ich meinen Perfektheitsanspruch vorschob, weil ich mir einredete, dass Resilienztrainings nur im direkten Kontakt funktionieren, weil ich mit der Technik nichts zu tun haben wollte etc. Jetzt habe ich mich entschieden: Ich werde anfangen, kleine Videos zu produzieren, die Sie im Rahmen der neuen Online-Resilienz-Akademie finden werden. (Übrigens arbeite ich dafür mit Blink.it zusammen, die gerade in der Kategorie “Tool” den Europäischen Trainingspreis 2019 erhalten haben.) Nachdem ich mich entschieden hatte, dass ich diese Videos wirklich will, habe ich mich mit diesen Schritten selbst überzeugt und so können Sie auch vorgehen:

  1. Fokussierung auf erfolgreich erbrachte Leistungen und einfach mal machen und ausprobieren.
  2. Lernen am Modell, an Vorbildern und dabei kritisch prüfen, was wie funktioniert, welche neuen Vorgehensweisen zum eigenen Ziel passen. Auch konkrete Ratschläge sind dabei hilfreich.
  3. Unterstützende Aufmunterung und Stärken-Feedback annehmen. Ein schönes Beispiel hierzu ist Comissario Brunetti, der von seinem Kollegen keine Rückdelegation annimmt, sondern ihn bestätigt “Sie können das. Ich vertraue Ihnen.” Organisieren Sie sich Ihre Unterstützer.
  4. Emotionen erfolgreich steuern: Einerseits durch den Fokus auf Positives, auf bereits Geschafftes. Andererseits können Unwohlsein und Anspannung reduziert werden, indem Sie innehalten, bewusst 3-5x tief ausatmen und wahrnehmen, was Sie in sich fühlen (“Ich nehme wahr, dass ich mich XYZ fühle.” z.B. ängstlich, ärgerlich, ungenügend). Nehmen Sie dann wahr, wie die Emotion allmählich nachläßt.

Welche Erwartungen haben Sie an sich, was Sie in 2020 “wuppen”, was Sie möglich machen werden? Was trauen Sie sich zu? Wo werden Sie Ihre persönliche Komfortzone etwas stretchen?

Zukunftsmut-ig mit Optimismus

Wenn Sie aktuell über 2020 und was alles ansteht… sprechen, was sind dann Ihre typischen Kommentare? Freuen Sie sich auf die neuen Möglichkeiten? Bewerten Sie technische Visionen eher als Science-Fiction oder suchen Sie konkrete Innovations-Reportagen? Und wie ist es generell: gehören Sie eher zu den Pessimisten oder zu den Optimisten?

Nach Martin Seligman, dem Begründer der positiven Psychologie, geht es um die Art und Weise – den Attribuierungsstil –, wie wir über Ursachen von positiven und negativen Ereignissen denken. Optimisten sehen die Ursache für angenehme Ereignisse, Erfolge stets in sich selbst, während sie unangenehme Ereignisse vorübergehenden situationsbedingten Ursachen zuschreiben. Bei Pessimisten ist es umgekehrt. Es geht also darum, wie wir innerlich Situationen kommentieren, mit uns reden. Es geht um unseren “Self-Talk”.

  • Für die Vergangenheit ist es hilfreich, wenn man die Ursache für Schwierigkeiten, für Scheitern eher den Umständen zuschreiben und nicht sich selbst.
  • Für die Gegenwart geht es um Wertschätzung und Dankbarkeit. Fragen Sie sich ganz konkret – am besten täglich -, was Sie freut und wofür Sie dankbar sind. “Ich danke dir Leben, hast mir so viel gegeben, durfte lachen und schweben trotz all der Stürme und Beben. (…) Ich danke dem Leben, den Flüssen, den Reben, den Winden, den Bäumen und ich dank meinen Träumen, denn sie ließen mich fliegen, die Starrheit besiegen” singt Konstantin Wecker.  Alltägliche Selbstverständlichkeit und Gedankenlosigkeit werden so reduziert und wir richten unseren Fokus auf Positives und Stärkendes.
  • Für die Zukunft sollten wir unseren Fokus auf Chancen richten und uns keine Opferhaltung einreden. Wir leben als Gesellschaft in einer der sichersten aller Zeiten – auch wenn wir meinen, dass alles schlimmer wird. (Vgl. Megatrend Sicherheit des ZukunftsInstituts von Matthias Horx)

Achten Sie auf Ihren “Self-Talk” und wie Sie für die Zukunft – also für 2020 – mehr auf Chancen setzen und Ihre Aktivitäten daran ausrichten können.

Zukunftsmut-ig mit Resilienz

Ich lebe in Nürnberg und habe mich in den letzten Tagen nochmal genauer über die Nürnberger Prozesse informiert. Beeindruckt hat mich Benjamin Ferencz, der Hauptankläger im Einsatzgruppen-Prozess war. Zusammen mit seinem Team hatte er im Nachkriegsdeutschland Beweismaterial für die deutschen Kriegsverbrechen gesammelt. Dabei entdeckte er drei Leitz-Ordner mit SS-Ereignismeldungen aus der UdSSR. Es waren akribische Berichte zum durchgeführten Massenmord. In diesem Prozess wurden alle Angeklagten schuldig gesprochen. Ferencz wurde aufgrund seiner Kriegserfahrungen zu einem Kämpfer für das Völkerrecht und für die Einsetzung eines Internationalen Gerichtshof. Der Einsatz von Waffengewalt zum Erreichen politischer Ziele egal durch wen soll als internationales und nationales Verbrechen bestraft werden – und davon sind wir noch weit entfernt, da z.B. USA immer noch nicht die Römischen Verträge zum Internationalen Strafgerichtshofs unterzeichnet haben.

Ich schätze auch sehr Konstantin Wecker. Er hatte in seinem Leben etliche Auf und Ab`s. Er hat jedoch stets klar und deutlich seine Meinung gesagt. Er ist für sich rundum stimmig und fordert in seinen Konzerten “empört euch”, “steht auf” und “sage nein”. Es geht um Haltung und Handeln nach den eigenen Überzeugungen, für die wir nicht nur Anerkennung von anderen ernten werden. Nach Bonhoefer (s.o.) sollten wir Lehren aus der Vergangenheit ziehen und ebenso Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Grundlage solcher Haltungen sind ein humanistisches Menschenbild, das jedem Menschen die bestmögliche Persönlichkeitsentfaltung zusichern will.

Trotzdem verläuft für die wenigsten Menschen das Leben gradlinig. Sowohl “selbstgemachte” Situationen als auch Ereignisse im Lebensumfeld können die Ursache dafür sein. Durch die Handhabung solcher Situationen haben wir unterschiedlichste hilfreiche Verhaltensmuster und unsere Widerstandskraft entwickelt. Probieren Sie für konkrete Engpass-Situationen auch diese Vorgehensweise aus:

  • Um was geht es konkret?
  • Welche Reaktionen und Gefühle nehme ich bei mir wahr?
  • Was an der Situation ist unter meiner Kontrolle?
  • Was liegt außerhalb meiner Kontrolle?
  • Was sind meine Optionen, um aktiv zu werden?
  • Sprechen Sie mit anderen Menschen über alternative Sicht- und Erklärungsweisen.
  • Entscheiden Sie sich, was Sie tun wollen.

Je klarer Sie eine Situation erkennen, desto mehr Möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung. Sie werden sich souveräner fühlen. Auch für die Zukunft gilt, dass Sie mit mehr Widerstandskraft sich problematischen Situationen leichter stellen können. Wir entwickeln eine positive Risikoeinstellung, trauen uns mehr zu. Und das gilt auch für politische Situationen, wo wir unsere Meinung äußern sollten.

Wenn wir situationselastisch Agieren mit innerer Stabilität und Klarheit – uns also resilient verhalten -, dann können wir eine Haltung entwickeln, mit der wir Verantwortung für uns selbst und gegenüber der Zukunft übernehmen.

Zukunftsmut-ig mit sowohl-als-auch für 2020

Etwas richtig machen und gleichzeitig unperfekt sein… Beides ist in Ordnung. Das gilt für unsere Ziele, unsere Haltung, unser Verhalten, jedoch sollten wir anfangen uns zu bewegen.

Ich wünsche Ihnen und mir für 2020, dass Sie wir unser Leben aktiv gestalten, dass wir zuversichtlich, optimistisch und vertrauend auf unsere eigenen Stärken die Dinge anpacken. Ganz sicher wird uns auch wieder das Jahr 2020 herausfordern und uns so Chancen zum persönlichen Wachsen geben. Bei all den Zielen und unserem Tun wünsche ich mir und Ihnen von Herzen, dass wir uns auch Zeit zum Schlendern nehmen, so dass wir uns einfach sein lassen und immer wieder Kraft schöpfen können.

Wie das gehen kann beschreibt Konstantin Wecker in seinem Lied Schlendern:

Lyrics:
“Einfach wieder schlendern, über Wolken gehn und im totgesagten Park am Flussufer stehn.

Mit den Wiesen schnuppern, mit den Winden drehn, nirgendwohin denken, in die Himmel sehn.

Und die Stille senkt sich leis´ in dein Gemüt. Und das Leben lenkt sich wie von selbst und blüht.

Und die Bäume nicken dir vertraulich zu. Und in ihren Blicken find´st du deine Ruh.

Und die Stille senkt sich Leis´ in dein Gemüt. Und das Leben lenkt sich wie von selbst und blüht.

Und die Bäume nicken dir vertraulich zu. Und in ihren Blicken find´st du deine Ruh.

Muss man sich denn stets verrenken, einzig um sich abzulenken, statt sich einem Sommerregen voller Inbrunst hinzugeben?

Lieber mit den Wolken jagen, statt sich mit der Zeit zu plagen. Glück ist flüchtig, kaum zu fassen. Es tut gut, sich sein zu lassen.

Einfach wieder schlendern ohne höh´ren Drang. Absichtslos verweilen in der Stille Klang.

Einfach wieder schweben, wieder staunen und schwerelos versinken in den Weltengrund.

Glück ist flüchtig, kaum zu fassen. Es tut gut, sich sein zu lassen.

Einfach wieder schlendern, über Wolken gehn und im totgesagten Park am Flussufer stehn.

Mit den Wiesen schnuppern, mit den Winden drehn, nirgendwohin denken, in die Himmel sehn.”

 

In diesem Sinne: AUF EIN GUTES NEUES JAHR 2020!

 

Literaturtipps

Heller, J. (2015). Resilienz. Innere Stärke für Führungskräfte. Zürich: Orell Füssli

Müller, E.B. (2013). Innovative Leadership. Freiburg i.Br.: Haufe-Lexware

Naughton, C. & Steinle, A. (2019). 30 Minuten – Zukunftsmut. Offenbach: Gabal

Reinhart, R. (2013). Psychologisches Kapital. Durch Nutzung psychischer Ressourcen zu höherer Führungseffektivität. Hamburg: Windmühle

 

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